Mehr als 200 Klinik-Mitarbeiter gehen für Gewinnbeteiligung auf die Straße

Lautstarke Forderungen vor Helios-Klinik in Uelzen

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Mit Trillerpfeifen, Rasseln, Sirenen und Transparenten demonstrieren die Mitarbeiter gestern vor dem Uelzener Klinikum – mehr als 200 Kollegen haben die Arbeit niedergelegt.

Uelzen. Es gibt Mitarbeiter des Uelzener Klinikums, die seit mehr als 30 Jahren ihren Job tun und nicht ein einziges Mal für ihre Interessen auf die Straße gegangen sind. „Aber heute muss es mal sein“, stellt gestern eine von ihnen mit Nachdruck fest.

Diese Krankenschwester und weit mehr als 200 weitere Angestellte des Uelzener Hauses, das neuerdings zum Helios-Konzern gehört, legen gestern für einen Tag ihre Arbeit nieder. Der Grund: Wie berichtet, waren Verhandlungen zwischen Verdi und Helios gescheitert – während die Gewerkschaft eine gewinnorientierte Beteiligung für die Angestellten des Konzerns fordert, will dieser im Rahmen von Gehaltserhöhungen allerdings eine pauschale Beteiligung zahlen.

„Gute Leute, gute Arbeit – gutes Geld?!“, „Im Netz der Pflegemafia“ oder „Arm trotz Arbeit“ – das sind die Parolen, die gestern mit Kreide auf den Asphalt der Waldstraße vor dem Uelzener Klinikum geschrieben stehen. Die Streikenden haben sich Verdi-Plastiktüten übergezogen. „Weil ich es wert bin“ lautet der Schriftzug auf dem Rücken.

Und während sie sich gegenseitig die Hände reichen und in einer langen Menschenkette über die Waldstraße und am Klinikum vorbei ziehen, heizt ein Verdi-Mitarbeiter sie an: „Wir gehen jetzt im Entenmarsch auf dem Fußweg die Straße runter! Dann machen wir uns auf der Kreuzung breit! Und: Ich will Euch hören!“

Und die Streikenden legen sich mächtig ins Zeug: Mit Trillerpfeifen, Rasseln und ohrenbetäubendem Sirenengeheul aus dem Megafon machen sie sich für ihr Anliegen stark. Aus den Fenstern des Uelzener Klinikums verfolgen ihre Kollegen das lautstarke Geschehen vor dem Haus. Sie halten gestern zumindest einen Notbetrieb im Klinikum aufrecht. Medizinische Notfälle und schon eingeleitete Therapien – wie zum Beispiel Chemotherapien – werden durchgeführt.

„Die Aktivitäten von Verdi gehören zur üblichen und anerkannten Form der tarifpolitischen Auseinandersetzung, die Gewerkschaften auch bei anderen Arbeitgebern praktizieren“ meint Helios-Regionalgeschäftsführer zu dem gestrigen Geschehen. Am kommenden Montag sollen die Verhandlungen zwischen dem Klinik-Konzern und der Gewerkschaft Verdi fortgeführt werden. „Wir sind weiterhin an einem zügigen Tarifabschluss für die neuen Helios-Akutkliniken in Niedersachsen interessiert, um den Mitarbeitern schnellstmöglich Sicherheit im Hinblick auf ihre weitere Entgeltentwicklung zu geben“, betont Micholka. Er gehe davon aus, dass die weiteren Verhandlungen „konstruktiv verlaufen und wir gemeinsam einen tragfähigen Kompromiss finden“.

Von Ines Bräutigam

Die Bilder vom Streik

Streik am Uelzener Klinikum

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