Viele junge Besucher beim Festival auf dem Herzogenplatz

Laute Botschaften gegen Rassismus

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Vor anfangs schütter verteiltem Publikum tritt die Band „Fortunes“ Fall auf. „Wir sind politisch engagiert gegen Rechts“, sagt Sänger Anton Braun.

Uelzen. Haval Yousef weiß, was Hass zwischen Menschen anrichten kann. Sein Geburtsland ist Syrien. Vor mehr als zwei Jahren floh er mit seinem Bruder aus dem Land vor den Kriegswirren und den Anhängern des Islamischen Staates. „Die waren gegen uns“, sagt er.

Ernster Anlass, Spaß bei der Musik: Besucher beim Festival gegen Rassismus gestern Abend auf dem Uelzener Herzogenplatz.

Zunächst nach der Flucht in Stuttgart untergebracht, musste Haval erleben, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, die gegen ihn sind. Er wurde in Stuttgart verbal angegangen. Jetzt lebt er in Uelzen, wo ihm so etwas noch nicht widerfuhr, erzählt er. Und doch ist er gestern zum Herzogenplatz gekommen, um beim Festival gegen Rassismus dabei zu sein. Schließlich will er so etwas wie in Stuttgart nicht noch einmal erleben. Mit dem Festival will sich gestern ein Bündnis aus politischen Jugendorganisationen, Uelzener Einrichtungen, Gewerkschaften und Initiativen gegen rechte Gewalt und Rassismus aussprechen. Die Organisatoren sind auch mit Ständen vertreten, an denen Platz für Gespräche sein soll.

Gebrüllte Botschaft: Organisator Jakob Blankenburg.

Angemeldet hat die Veranstaltung bei der Stadt Jakob Blankenburg, Kreisvorsitzender der Jusos. Er verliert zu Beginn des Festivals am Nachmittag nicht viele Worte, macht aber klar, dass aus seiner Sicht Uelzen und der Landkreis alles andere als ein weißer Fleck beim Thema rechtes Gedankengut ist. „Wir haben die identitäre Bewegung und völkische Siedler hier“, sagt er. Die Botschaft an die Bevölkerung sei, dass diese „rassistische Kackscheisse“ keinen Platz haben soll. Das brüllt er ins Mikrofon, damit es auch jeder hört. Auf dem Herzogenplatz selbst befinden sich zu diesem Zeitpunkt zunächst noch wenige Teilnehmer. Mit Einbruch des Abends aber wächst die Zahl. Es sind vor allem junge Menschen, auch Flüchtlinge. Blankenburg und seine Mitstreiter haben keine großen Erwartungen, was die Besucherzahlen betrifft. Für 300 bis 400 Menschen wurden die Getränke und Essen besorgt, erzählt der Veranstalter.

Dass Menschenmassen ihn bejubeln, dafür ist Musiker Anton Braun nicht nach Uelzen gekommen. Er ist Sänger der Band „Fortunes Fall“. Sie ist einer der ersten Musikacts beim Festival, fünf sollen bis in den späten Abend noch folgen. „Wir sind alle politisch engagiert gegen Rechts“, sagt Braun über sich und seine Bandkollegen. Das spiegelt sich auch in den Texten der Punk-Rock-Gruppe wider. „Es geht um das Nicht-willkommen-sein, oder auch um Vertreibung“, sagt er. Haval Yousef könnte dazu viel erzählen.

Rock gegen Rassismus auf dem Herzogenplatz Uelzen

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