Späte Ernte löst Kettenreaktion aus / Bis zu 50 Prozent Einbußen durch mindere Qualität befürchtet

Landwirte in der Zeitfalle

Finstere Stimmung in der Landwirtschaft: Der nasse Sommer verhagelt den hiesigen Bauern gehörig die Bilanz, denn die Qualitäten des Getreides leiden unter dem Wetter. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. „Im Grunde genommen ist das für die Landwirtschaft eine mittlere Katastrophe“, sagt Thorsten Riggert. Mit „das“ meint der Kreislandwirt das Wetter, denn der verregnete Sommer macht den Bauern bei ihrer Ernte einen Strich durch die Rechnung.

Die Mengen, so Riggert, werden wohl nicht das Problem sein. „Aber die Qualitäten. “.

Denn dank der Feldberegnung im heißen Mai und Juni habe man recht gute Bestände auf den Feldern. Wegen der anhaltenden Nässe aber bekomme man Korn und Co. einfach nicht vom Acker. „Sogar der Raps steht teilweise noch“, sagt Thorsten Riggert und erklärt, dass das knallgelb blühende Gewächs normalerweise schon vor 14 Tagen hätte von der Bildfläche verschwinden müssen. Mit der Sommergerste verhält es sich genauso.

Üblicherweise können die Landwirte für qualitativ hochwertigen Brotweizen 200 Euro pro Tonne einstreichen. Ist das Korn aber zu feucht, ist es nur noch als Futterweizen verwertbar – mit seiner Qualität sinkt auch der Gewinn: Statt 200 nimmt der Landwirt noch 160 Euro pro Tonne ein. Und hat die Nässe so viel Unheil angerichtet, dass der Weizen nur noch in der Biogasanlage verwertet werden kann, bleiben 100 Euro pro Tonne übrig. Das Getreide sollte bei der Ernte einen Feuchtigkeitsgehalt von etwa 15 Prozent haben. Zurzeit aber sind es zwischen 19 und 21 Prozent. Und so muss auf den Höfen die Trocknung angeworfen werden – die wiederum 25 Euro pro Tonne kostet. Summa summarum können so unterm Strich im schlimmsten Fall Einbußen von rund 50 Prozent herauskommen, sagt Riggert.

Die meisten Bauern sind nämlich trotz des mäßigen Wetters zur Ernte rausgefahren. Und zwar nicht nur, weil sie sonst mit ihrer Arbeit nicht fertig werden. Ihnen sitzt auch in anderer Hinsicht die Zeit im Nacken: Im Herbst nämlich, nach der Ernte, muss die Ackerbegrünung auf die Felder.

Bis Ende August sollte das eigentlich unter Dach und Fach sein. „Man kann aber nicht ernten und dann gleich wieder eindrillen“, erklärt Riggert. Erst müsse der Boden aufbereitet, zum Beispiel gekalkt, werden. Zehn Tage müsse man da schon rechnen. „Das Zeitfenster ist aber bereits weg“, sagt Riggert. Denn üblicherweise wird der Raps bis zum 15./20. August eingedrillt. Aber um die Ernte endgültig eingefahren zu haben, brauche es im Landkreis Uelzen wohl noch sieben bis acht Tage. „Das ist schonmal ein schlechter Start für den Raps“, bilanziert der Kreislandwirt.

„Das Schlimmste ist, dass einem die Qualitäten von Tag zu Tag durch die Finger rinnen“, sagt Thorsten Riggert. Wenn er sich etwas wünschen dürfte? „Ein kräftiger Wind, gar nicht mal unbedingt Sonne“, sagt er, „denn die allein hilft uns auch nicht.“ Das Getreide auf den Feldern ist nämlich so nass, dass es nicht nur Wärme, sondern auch ein frisches Lüftchen zum Trocknen braucht.

Der Blick auf die Wetterprognosen lassen die Hoffnung von Riggert und seinen Kollegen derzeit aber auf den Nullpunkt sinken: „Da ist ja keine Besserung in Sicht.“ Also werden die nächsten Tage ebenso beginnen wie schon die vergangenen begonnen haben: „Ein Blick auf die Wettervorhersage, dann ein Blick nach draußen und gucken, ob das stimmt. Und dann entscheiden, was man machen kann.“

Von Ines Bräutigam

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