„Das ist ein Quantensprung“

Landkreis Uelzen profitiert von neuem Unwetter-Frühwarnsystem

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Ein Unwetter mit großen Hagelkörner sorgte am 13. Juli für gewaltige Schäden in Haldensleben (Sachsen-Anhalt). Vor solchen Gefahren soll künftig detaillierter gewarnt werden.

Uelzen. Wie aus heiterem Himmel: Reinhard Zakrzewski hat es bereits selbst erlebt. „Innerhalb von nur 20 Minuten hat sich eine Unwetterlage direkt über meinem Haus aufgebaut“, berichtet der AZ-Wetterexperte über ein Gewitter-Erlebnis, das nun schon Jahre zurückliegt.

Damals, so Zaki, hätte der Deutsche Wetterdienst (DWD) nicht vor diesem rasch aufziehenden Unwetter warnen können. Seit dieser Woche sind die Meteorologen dazu in der Lage. Der DWD habe die Qualität der Warnung deutlich verbessert und „wird ab sofort statt der 400 Landkreise die rund 10 000 Gemeinden in Deutschland vor Wettergefahren warnen“, sagte Prof. Dr. Gerhard Adrian, Präsident des DWD. (AZ berichtete). Auch kurzfristige Warnungen „wenige Minuten oder eine halbe Stunde“ vor dem sich zusammenbrauenden Ereignis wären möglich.

„Besser, genauer, kurzfristiger“, lobt Zakrzewski, der die Neuerung in der Wettervorhersage als eine „anspruchsvolle und hohe Leistung“ der Meteorologen einstuft. Möglich wird dies durch mehr Beobachtungsdaten, verbesserte Vorhersagemodelle und ein leistungsstärkeres Großrechenzentrum. Für Hans-Joachim Koppert, Leiter der Wettervorhersage beim DWD, ist der „feinere meteorologische Zoom“ auf kleine Gemeinden oder Stadtteile ein „Quantensprung im Warnsystem“.

Die lokalere Vorhersage wird weiter in einem dreistufigen System vorgenommen. Fünf Tage vor dem Ereignis beginnt der DWD mit ersten Alarmhinweisen auf das Unwetter. Maximal 48 Stunden vor der Wettergefahr wird eine Vorabinformation für Bundesländer oder Regionen ausgegeben, die frühestens zwölf Stunden vor dem erwarteten Unwetter konkretisiert werden. Zusätzlich sind akute Warnungen möglich.

Hinweise auf Unwetter eine halbe Stunde vor dem Ereignis wären für den AZ-Wetterexperten das Maximum in der Vorhersage. Zakrzewski ist aber zuversichtlich, dass die Experten beim DWD dies einhalten können. „Wenn sie sich in der Lage sehen, eine halbe Stunde vorher zu warnen, wird dies erprobt sein.“ Eine Gefahr der „Überwarnung“ werde es durch den DWD nicht geben.

Unwetter wären im Kreis Uelzen nicht auszuschließen, sagt „Zaki“. Aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten wäre die Region vor Stürmen und einer Gewitterbildung aber etwas geschützt.

Die schnellere und verbesserte Vorhersage hilft vor allem den Katastrophenschützern in Deutschland, die ihren Rettungseinsatz nun genauer koordinieren können.

Von Matthias Jansen

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