Technik entlarvt Gebührenpreller

Landkreis stattet Mülltonnen mit „Ohrmarken“ aus

+
Mit der Einführung des Identsystems kann der Abfallwirtschaftsbetrieb awb erfassen, welche Tonnen geleert wurden. Foto: bs

Uelzen/Landkreis. Im Landkreis Uelzen werden Bio- und Restmülltonnen mit Datenchips ausgestattet. Der verbindliche Beschluss dazu wurde am Dienstag vom Kreis-Betriebsausschuss „Abfallwirtschaft“ einstimmig gefasst.

Die Kreispolitik will mit dem Chip gesteuerten Identsystem sicherstellen, dass nur solche Abfallbehälter geleert werden, die auch angemeldet sind. So soll Schwarzmüllerei, bei der unberechtigt Tonnen an die Straße gestellt werden und durch die höhere Kosten entstehen, künftig nicht mehr möglich sein.

Für das Beschwerdemanagement biete das Identsystem weitere Vorteile, wie die Kreisverwaltung in der Beschlussvorlage erläuterte. Die häufigsten Beschwerden bei Abfuhren würden sich auf angeblich nicht geleerte Tonnen beziehen. Anhand der erfassten Daten bei den Abfuhren lasse sich dies beweiskräftig überprüfen und mit einem geringen Aufwand gegebenenfalls Nachleerungen organisieren.

Identsysteme kommen in anderen Landkreisen Niedersachsens bereits zum Einsatz, in einigen wird es auch für eine Abrechnung der Gebühren nach Leerungshäufigkeiten oder Gewicht genutzt. Wie der Umwelt- und Baudezernent des Landkreises, Frank Peters, gegenüber der AZ sagte, diene die Einführung des Identsystems im Landkreis Uelzen nicht diesem Zweck. Für den Gebührenzahler ändere sich nichts, so Peters. Gegenwärtig stünde auch keine Diskussion zu möglichen Veränderungen bei den Müllgebühren an. Er rechne damit, dass über die Frage, ob die Müllabfuhr mit den bislang geltenden Gebühren tragfähig ist, erst in 2015 wieder zu behandeln sei.

Ob dann bereits das Identsystem im Landkreis in Uelzen eingeführt ist, ist fraglich. Voraussichtlich erst Ende 2015 oder zu Beginn 2016 werden die Bio- und Restmülltonnen gechipt sein – mit einer benötigten Vorlaufzeit von eineinhalb Jahren wird gerechnet.

Etwa 52 000 Mülltonnen sind auszustatten, bei Kosten von einem bis zwei Euro pro Chip sowie für die Aufrüstung der zehn Müllfahrzeuge, für die Anschaffung von Software und für Schulungen der Mitarbeiter rechnet der Landkreis mit Kosten von rund 500 000 Euro. Gestemmt werden könne dieser Betrag durch das Erfassen von Gebührenprellern.

Nach Erfahrungsberichten anderer Landkreise stellen zwei bis fünf Prozent der Haushalte unberechtigterweise Tonnen heraus. Bei einer Abfuhr von 1,7 Prozent mehr an Müllbehältern seien die Investitionskosten gedeckt.

Kommentare