Von Woche zu Woche

HVV – was der Landkreis nicht sagte

Es ist schon irritierend, was da an Öffentlichkeitsarbeit in dieser Woche von der Uelzener Kreisverwaltung praktiziert wurde.

Jahrelang haben Landrat und Kreispolitik um den Beitritt zum Hamburger Verkehrsverbund (HVV) als elementar wichtigen Baustein für die Infrastruktur gerungen. Mit der einstimmigen Entscheidung in nicht öffentlicher Sitzung des Kreisausschusses scheint nunmehr ein Durchbruch gelungen, der für die Menschen im Landkreis Uelzen eine spürbare Verbesserung der Verkehrsanbindung mit sich bringen wird. Doch in der Stunde dieses Erfolges gibt man sich im Kreishaus seltsam orientierungslos, was die doch so wichtige Information der Öffentlichkeit über diesen Beschluss betrifft. Sämtliche Bahnhöfe des Kreises Uelzen sollen an den HVV angeschlossen werden – dieses Millionenprojekt segnete die hiesige Politik ab.

Diese Entscheidung ist ein Signal, wie es in Zeiten einer spürbaren Aufbruchstimmung – die Ernennung Uelzens zur Hansestadt ist nur ein Beispiel – wichtiger kaum sein könnte. Doch was macht der Landkreis aus diesem fast schon historisch zu nennenden Beschluss? Er setzt ein Gespräch für die örtlichen Medienvertreter an, in dem eine offenbar weitgehend orientierungslose und uninformierte „Leiterin der Stabsstelle Koordination und Medienarbeit“ in knappen Worten die Entscheidung verkündete – ohne einzuordnen, was sie für die fast 100 000 Einwohner im Landkreis Uelzen bedeutet.

Wo sonst über jede Verschiebung der Müllabfuhrtermine eine schriftliche Pressemitteilung herausgegeben wird, hält man es diesmal nicht für nötig, die überörtlichen Medien darüber zu informieren, welche richtungsweisende Entscheidung im Kreis Uelzen getroffen wurde.

Deshalb an dieser Stelle einfach mal ein paar Einordnungen, die man sich zumindest punktuell gewünscht hätte von offizieller Stelle:

Nur noch eine Fahrkarte von Bad Segeberg bis Bad Bodenteich, die auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln in Hamburg gilt – für den Kreis Uelzen ist das eine Aufwertung, deren Dimension noch gar nicht abschätzbar ist. Denn der Landkreis ist endgültig angekommen in der Metropolregion Hamburg.

Da ist zum einen natürlich die Erleichterung für die hiesigen Pendler. Der Kreis wird als Wohnstandort für Familien attraktiver, hier gibt es auch für Arbeitnehmer, die sich nach Norden orientieren, bezahlbaren Wohnraum und Bauplätze.

Doch auch in der „Gegenrichtung“ wird Uelzen ganz anders wahrgenommen. Die kleine Hansestadt mit dem berühmten Hundertwasserbahnhof steht auf jedem Tarifplan an jeder Hamburger Haltestelle, in den Reiseführern, in den Hotelbroschüren. Wer eine Tageskarte für den HVV kauft, kann einen Ausflug nach Uelzen machen, nach Bad Bevensen, Bad Bodenteich oder Ebstorf. Das wird Betriebe interessieren, das bietet ungeahnte Perspektiven.

Erst vor wenigen Wochen hatte es das entscheidende Signal für das andere wichtige Infrastrukturprojekt gegeben, den Lückenschluss der Autobahn 39 von Lüneburg über Uelzen nach Wolfsburg. Die Zeiten, in denen der Landkreis Uelzen ein Mauerblümchendasein abseits der Metropolen führte und der demografische Wandel bei der Einwohnerzahl nur eine Richtung kannte, könnte dann vorbei sein.

All das hätte der Landkreis diesese Woche verkünden können. Schade, dass er es nicht getan hat.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © dpa

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