Wiebke und Werner Schröder aus Holxen besuchen mit ihren Tieren aus Südamerika regelmäßig das Uelzener Hospiz

Lamas spenden Freude am Lebensende

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Katara ist eines von fünf Lamas der Schröders. Für Palliativ-Ärztin Dr. Marina Heinze (l.) und Pflegefachkraft Doris Buns-Schreiber ist der Besuch der Tiere im Hospiz immer ein besonderes Ereignis.

Uelzen. Obwohl es für Katara und Kilkenny keine neue Situation ist, sind die beiden etwas unruhig. Wiebke und Werner Schröder müssen mit der Leine immer wieder sanft am Zaumzeug ziehen. Katara und Kilkenny sind zwei Lamas.

Und die stehen gerade auf dem Flur des Uelzener Hospizes am Stadtwald.

Eine Spende des Uelzener Cafés „Coffee and more“ ermöglicht weitere Besuche von Wiebke und Werner Schröder mit ihren Lamas im Uelzener Hospiz. Am Montag besuchten die beiden auch die Mutter von Marion Burmester (2.v.l.) und Bruder Stefan Patzer. Pflegedienstleisterin Martina Schubert-Messenbrink (2.v.r.) ist froh über die regelmäßigen Visiten der Schröders mit ihren Lamas.

Das Ehepaar aus Holxen besucht das Uelzener Hospiz zum vierten Mal mit ihren beiden Tieren. Die südamerikanische Kamelart wird dort zur Tiertherapie eingesetzt. „Sie sind die Delfine der Weide“, sagt Wiebke Schröder. Lamas könnten dabei helfen, neue Lebenslust zu erlangen, andere Wege aufzuzeigen oder Gefühle wie Angst, Einsamkeit, Stress und Ärger zu überwinden. „Sie sind wie Delfine sehr sensibel und einfühlsam“, so Wiebke Schröder. Insofern seien sie besonders geeignet, Menschen in ihrer schwierigsten Lebenssituation ein wenig Ablenkung und vielleicht auch Freude zu geben.

Die Reaktionen auf den Besuch der Tiere in den Zimmern der Hospizgäste seien völlig unterschiedlich, weiß Martina Schubert-Messenbrink. „Das Spektrum reicht von völliger Ablehnung bis zu tiefer Freude über die Tiere“, sagt die Pflegedienst-Leiterin des Hospizes.

So wie bei Elke Patzer. Die 66-Jährige lebt seit knapp sechs Wochen in der Uelzener Einrichtung für Sterbebegleitung. Vor vier Wochen machte sie das erste Mal Bekanntschaft mit den Vierbeinern aus Holxen. „Sie hat sich sehr gefreut über den Besuch“, berichtet Tochter Marion Burmester. Erstaunt sei sie gewesen, dass die Tiere, die eigentlich im rauen Klima der Anden in Peru oder Bolivien zuhause sind, so ein weiches Fell haben, berichtet Sohn Stefan Patzer.

Am vergangenen Montag waren Werner und Wiebke Schröder erneut mit Katara und Kilkenny im Hospiz am Stadtwald. An wie viele Gäste sie mit ihren Tieren bei ihren monatlichen Visiten herantreten können, erfahren sie erst vor Ort. „Das ist immer abhängig vom aktuellen Zustand der Menschen“, sagt Schubert-Messenbrink. Elke Patzer geht es schlechter als vor einigen Wochen, berichtet Tochter Martina. Dennoch schauen die Schröders mit ihren Lamas vorbei. „Die meisten Menschen, die wir hier besuchen, sehen wir nur einmal“, so Werner Schröder. Elke Patzer ist eine Ausnahme, die Schröders haben sie am Montag zum zweiten Mal besucht. Die durchschnittliche Verweildauer im Uelzener Hospiz mit seinen zwölf Plätzen liege bei weniger als einer Woche, so Martina Schubert-Messenbrink.

Auch wenn die Menschen oft in einer ziemlich schlechten Verfassung seien, so gebe es fast immer ein Lächeln, berichtet die Pflegedienstleiterin. „Manche werden durch die Begegnung mit den Lamas auch wieder zu eigenen Aktivitäten angeregt, wollen mit dem Rollstuhl auf den Balkon oder vor die Türe gefahren werden“, so Schubert-Messenbrink. Sie ist froh, dass die Schröders regelmäßig vorbeischauen.

Auslöser sei ein Bericht über das Hospiz im vergangenen Herbst in der AZ gewesen, so Werner Schröder. „Da haben wir uns entschieden, den Bewohnern ein bisschen Abwechslung zu bringen“, sagt der Lamahalter. Die Resonanz nach dem ersten Besuch sei so gut gewesen, dass sich das Ehepaar dazu entschloss, die Visiten monatlich anzubieten.

Gerade einmal fünf Menschen konnten sie vor zwei Tagen besuchen. „Es war ein trauriger Tag für uns“, berichtet Wiebke Schröder. Die Besuchten seien in keiner guten Verfassung gewesen. „Ein Hospiz ist eben kein Krankenhaus.“.

Von Jens Schopp

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