AZ-Interview: Architekt Karsten Alt über seine Vision einer „neuen“ Uelzener Innenstadt

So lässt sich die Ilmenaustadt realisieren

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Der Herzogenplatz soll mit Wasserspielen und Liegeflächen zum Verweilen einladen.

Uelzen/Shenzhen. Er will den Herzogenplatz zu einer Piazza machen und dabei die Ilmenau an die Innenstadt heranführen. Architekt Karsten Alt, der im chinesischen Shenzhen arbeitet, hat für den Verein Ilmenaustadt Uelzen eine Vision für die Innenstadt entworfen.

AZ-Redakteur Norman Reuter hat ihn gefragt, wie schnell sich ein solches Projekt realisieren lässt und was es kosten könnte.

AZ: Verglichen mit ihrer Arbeit in Asien dürfte die Gestaltung des Herzogenplatzes in Uelzen ein kleineres Projekt sein. Weshalb sind sie für den Verein Ilmenaustadt Uelzen aktiv geworden?

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Die Ilmenaustadt - eine Vision für UelzenKarsten Alt: Es kommt immer häufiger vor, dass bei Architektur und Planungsprojekten lokale Architekten und Projektteams Inspirationen und Ideen mit außenstehenden Planern erarbeiten. Der Vorteil hierbei ist, dass eine gewisse Distanz mehr freies Denken hervorbringt und das lokale Wissen den Blick für das Wesentliche nicht verliert. Einige Mitglieder des Ilmenaustadt Uelzen Vereins, alte Schulkameraden vom Lessing Gymnasium, kannten meinen Werdegang. Somit wurde ich gebeten, dem Projekt-Team meine Unterstützung zu geben. Mich hat beeindruckt, mit welchem frischen Elan junge, mutige Menschen Uelzen eine neue Richtung geben wollen, nicht für sich selbst, sondern für die Zukunft und spätere Generationen. Somit ging es hierbei für mich nicht um die Größe des Projektes, sondern darum, einen kleinen Beitrag für diese Ziele beizusteuern.

Wie sind sie vorgegangen, was hat sie bei ihren Plänen für den Herzogenplatz inspiriert? 

Die Grundidee, die Ilmenau weiter an die Innenstadt zu binden, wurde vorab vom lokalen Projektteam des Ilmenaustadt Uelzen erdacht. Die Ilmenau ist nur spärlich in der Stadt bemerkbar. Meines Erachtens ist es richtig, dem Herzogenplatz mehr Perspektive und einen repräsentativen Abschluss zu geben. Die Einbindung von Wasser hebt die Qualitäten des städtischen Raumes. Somit wird auch dem Grün am Flusslauf eine wesentlich stärkere Präsenz beigemessen. Für mich ging es um die konzeptionell gestalterische Ausführung, ich habe darauf geachtet, vorhandene Elemente zu respektieren und in die neue Gestaltung mit einzubinden. Die Kreise der Platzgestaltung sind primär auf die Gestaltung des vorhandenen Bodenbelags zurückzuführen und wurden als Konzept für das Einfassen des Baumbestandes, Wasserelemente, Sitzgruppen und Grünflächen erweitert. Die Wasserbucht mit kleiner Kaimauer und dahinterliegendem ‘Marktplatz’, sowie der Neubau mit modern interpretierter Fassade eines Speicherhauses soll eine norddeutsch hanseatische Atmosphäre bereiten.

Ihre Entwürfe stießen bei der Vorstellung auf große Resonanz. Es gab aber auch Stimmen, die danach fragten, wie das finanziert werden soll. Was würde eine solche Umgestaltung kosten?

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"Uelzen, do it!"Wir befinden uns in der Konzeptplanung, in der es zunächst galt, eine Idee zu erschaffen. Im Designprozess haben wir darauf geachtet, keine absurden Konstruktionen zu schaffen, oder alles Bestehende über den Haufen zu werfen. Sicherlich wird eine Erweiterung des Flusslaufes Geld kosten, aber wir bauen hier keine Elbphilharmonie. Die Kosten sind stark vom lokalen Markt abhängig, um diskutierbare Angaben zu machen, beschäftigt sich das lokale Projektteam um den Ilmenaustadt Uelzen somit intensiver mit der Kostenfrage und Finanzierung.

Wie viel Zeit würde die Umgestaltung in Anspruch nehmen? 

Zunächst wünsche ich dem Projekt und den Initiatoren eine große Bereitschaft und Unterstützung der Bevölkerung und der Politik. Oft sind leider Entscheidungsfindungen ein langwieriger Prozess, die neben den eigentlichen Baukosten nicht nur errechenbare finanzielle Mittel verschlingen, sondern auch die Mühen, Arbeit und Ressourcen von engagierten Menschen, die sich nicht nur für den Status Quo, sondern eher für die Zukunft der nächsten und darauffolgenden Generationen interessieren. Zeit ist Geld, das habe ich besonders in China gelernt. Solch ein Projekt kann in sechs Monaten fertig sein. Es hängt einzig von der Bereitschaft und den den Hürden ab, wie zügig man es durchsetzt, je länger es dauert, desto mehr Geld wird es Kosten. Ich würde hier bei einer ununterbrochenen Planung und Bauzeit von eineinhalb Jahren rechnen.

Wo sehen sie die besonderen Herausforderungen – ist es das Wasser? 

Es kommt vielleicht auf den Standpunkt an, was man als besondere Herausforderung sehen könnte – ich sehe derzeit keine großen. Die grundsätzliche Gestaltung in diesem Fall weist keine Extreme auf. Platzgestaltung, Landschaftschaftplanung mit Wasserläufen oder Seen sind gängige Elemente in der Stadtplanung. Jedoch sollte der natürliche Flusslauf der Ilmenau mit der Aufweitung gesondert geprüft und geplant werden.

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