Von Woche zu Woche

Eine Kurstadt im Spannungsfeld

Der Sonnenhof wird abgerissen, dort entstehen neue Eigentumswohnungen. Der Eigentümer vom Kieferneck – einem der Hotels am Platze – verhandelt mit der Diana-Klinik. Und dann schwebt da noch das Großprojekt Kurhaus-Neubau samt möglichem Restaurant- oder Thermalhotelbau über Bad Bevensen.

In der Kurstadt werden gerade Weichen gestellt – und das läuft nicht geräuschlos ab. Verständlich, wenn man die Tragweite der Entscheidungen bedenkt, die gerade gefällt werden müssen – Entscheidungen, die das Stadtbild verändern und den Marktwert Bad Bevensens beeinflussen werden.

Der Druck wächst von innen und außen. Von innen, weil Akteure nicht immer die Verantwortung übernehmen, die sie sollten. Da werden Entscheidungen von der Politik zum neuen Kurhaus getroffen mit dem Hinweis, dass man sich im Vorfeld nicht ausreichend informiert gefühlt hat. Warum nicht? Weil Marketingexperten, Verwaltungsmitarbeiter oder Architekten nicht genügend präsentiert haben? Oder weil Politiker nicht genügend eingefordert haben? Einbahnstraßen sind selten hilfreich, und sich hinter den vermeintlichen Versäumnissen anderer verstecken zu wollen ebenso wenig. Ein neues Kurhaus in dem vorgegebenen knappen Zeitfenster zu entwickeln, das Bad Bevensen nach vorne bringt und das die Richtlinien für die Förderung durch das Land Niedersachsen erfüllt, wäre Aufgabe genug. Parallel zu diesem Prozess, der vermutlich erst Ende August durch die Abgabe des fertigen Förderantrags eine erste Atempause zulassen wird, steigt der Druck von außen. Denn während Bad Bevensen am Mittwoch zusammen mit Wirtschaftsminister Olaf Lies die fertige Sonnenfalle im Kurpark einweihen wird, wird im Hintergrund sicherlich nicht nur die neue Attraktion für den Kurpark besungen.

Gerade erst hat das Umweltministerium durch die Gewerbeaufsicht die Bad Bevenser Kurgesellschaft aufgefordert, ihre Herstellungserlaubnis für ihre jodhaltige Sole als Arzneimittel herzugeben – ist die Grundlage für Bevensens Marketing dadurch in Gefahr? Die Folgen der Forderung sind noch nicht absehbar – Einspruch eingelegt hat die Kurgesellschaft... Gleichzeitig bekennt sich das Wirtschaftsministerium zu der Linie, die Bad Bevensen im Punkt Tourismus geht: Gesundheit und Nachhaltigkeit wurden als förderwürdig ausgerufen. Nutzen können wird die Kurstadt die neue Förderperiode wahrscheinlich dennoch nicht – das Innenministerium weist Bad Bevensen über die im Zukunftsvertrag verankerten Sparzwänge in die Schranken.

Klingt nach Spannungsfeldern: Bad Bevensen zwischen Standpunkten in Hannover und auf der anderen Seite Bad Bevenser zwischen der Angst, Verantwortung zu übernehmen und Freunde in die Pflicht zu nehmen. Da heißt es, strategisch zu verhandeln, Verantwortung zu übernehmen und so die Weichen gewinnbringend zu stellen.

wiebke.bruett@az-online.de

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