Ein Kunstwerk wird 10

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Jacques Voigtländer an „seinem Bahnhof“: Er wünscht sich hier wieder mehr Kulturveranstaltungen.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „In der AZ stand ein Leserbrief, dass man statt einer Hundertwasser-Ausstellung im Schloss Holdenstedt doch lieber den Künstler nach Uelzen holen sollte, damit er den Bahnhof verändert. Und ich war so naiv zu sagen, dass die Umsetzung eines solch genialen Gedankens ja eigentlich ein Selbstgänger sein müsste.“ Jacques Voigtländer erinnert sich noch genau, wie im Vorfeld der Expo 2000 die ersten Überlegungen für den Uelzener Hundertwasserbahnhof reiften. Ein parteiübergreifendes Trio war es schließlich, das „gegen alle, ob Stadt, Kreistag oder Bahn“ (Voigtländer) ein Projekt auf den Weg brachte, das Uelzen heute zehntausende Besucher jährlich beschert.

Raimund Nowak (Grüne), Klaus Schlademann (CDU) und SPD-Mann Voigtländer schafften es zwar nicht mehr ganz pünktlich, zur Eröffnung der Weltausstellung in Hannover das gewaltige Vorhaben zu vollenden, doch im Spätherbst 2010 war es dann so weit – und gestern Abend feierte man in illustrer Runde das zehnjährige Bestehen des Uelzener Hundertwasserbahnhofs (ein ausführlicher Bericht folgt in der Montagausgabe).

In den Folgejahren erwies sich der Bahnhof als Touristenmagnet, aus dem ganzen Lande und sogar aus dem europäischen Ausland strömten die Besucher. Die Ernennung zum „Bahnhof des Jahres 2009“ war ein weiterer Höhepunkt.

Doch zum zehnten Geburtstag ist auch der erste Lack ab von Hundertwassers Werk – und das treibt Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn. „Uns Initiatoren liegt jetzt besonders am Herzen, dass die Substanz erhalten bleibt und nicht weggammelt“, sagt Voigtländer.

Ein zentrales Sorgenkind dabei: Das Arte-Restaurant, das seit längerer Zeit nur noch halbherzig betrieben wird und für das die Bahn seit Monaten händeringend einen neuen Pächter sucht. „Die Lokalität vermittelt von ihrer einst so heimeligen Atmosphäre nichts mehr, hier besteht dringend Handlungsbedarf“, sagt Uelzens Bürgermeister Otto Lukat.

Habe man nach der Auszeichnung zum Bahnhof des Jahres zunächst mehr Besucher verzeichnet und von überregionaler positiver Berichterstattung profitieren können, so hätten die großen Probleme der ansässigen Gastronomie seit Mitte dieses Jahres spürbare Auswirkungen in die andere Richtung mit sich gebracht: „Wir haben im Mai 2010 rund 30 Prozent weniger Teilnehmer an Führungen verzeichnet, vor allem auch wegen der schwierigen Situation im Restaurant“, analysiert das Stadtoberhaupt.

Auch bei der Bahn weiß man um dieses Problem: „Die Verhandlungen mit einem neuen Pächter laufen“, erklärt Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis. Die Bahn wisse um das besondere Gesamtkunstwerk in Uelzen, „da kann man stolz drauf sein und wenn jeder ein bisschen mithilft, sieht das auch weiterhin traumhaft gut aus“.

Dazu gehört allerdings auch, dass dringend erforderliche Sanierungsarbeiten endlich vorgenommen werden. So sind zwei der vier Außensäulen am Gebäude seit Jahren mit Schutznetzen überzogen, weil sie bröckeln. Doch auch da soll jetzt etwas passieren, versichert Meyer-Lovis: „Nächstes Jahr erfolgt die Instandsetzung mit neuen Fliesen und allem was dazugehört“, versichert der Bahnsprecher.

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