Kunstverein wusste nichts von Einleger

Sammlung: Flyer ergänzt nun Katalog

Uelzen. Otto Lukat hatte sie angekündigt, nun liegt sie in der Stadt- und Tourismusinformation Uelzen aus: eine Mappe mit Beiträgen zu Wolfgang Stulpe, die zusammengenommen ein differenziertes Bild des des Kunst-Stifters liefern sollen.

Und: Zusätzlich als Ergänzung zu dem im Oktober vorgestellten Katalog zur Bildersammlung im Uelzener Rathaus hat die Stadt einen Einleger erstellt, im dem auf die Vorwürfe gegen den Lehrer eingegangen wird. Hintergrund: 2002 ermittelte die Polizei gegen Wolfgang Stulpe wegen des Verdachtes des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Der Lehrer nahm sich wenige Tage später das Leben.

Wörtlich heißt es in dem Einleger, den Otto Lukat unterzeichnet hat: „Im Zuge der Erstellung dieses Kataloges hat sich in Uelzen eine Debatte entzündet, die sich mit dem Kunstsammler selbst befasst. Es ist mir ein Anliegen, dazu Stellung zu nehmen und der Person Wolfgang Stulpe mit kritischem Blick zu begegnen. Stulpe, der nicht nur Ausstellungsleiter des Kunstvereins Uelzen, sondern auch Lehrer an einer Uelzener Schule war, ist in unrühmlicher Weise aufgrund einer tiefgreifenden, sexuellen Fehlorientierung schuldig geworden. Er lud Jungen ein, Sex-Filme zu gucken und filmte sie dabei heimlich. Dieses Verhalten ist unentschuldbar!“ Das Stadtoberhaupt verweist dann auf die in der Stadt- und Tourismusinformation liegende Mappe.

Dass ein solcher Flyer dem Ausstellungskalender beigelegt wird, war den Vorstandsmitgliedern des Kunstvereins Uelzen bis gestern nicht bekannt. Sie erfuhren durch die Allgemeine Zeitung davon und zeigten sich angesichts der Nachricht „irritiert“. In dieser Weise äußerte sich der Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Udo Hachmann – er weilt derzeit in Spanien – über seine Frau Roa Hachmann. Man verweise darauf, dass es sich bei dem Katalog um eine Publikation des Kunstvereins und nicht der Stadt handele. Näher dazu äußern wolle sich der Verein gegenwärtig nicht, „dafür müssen wir den Inhalt der Ergänzung zunächst kennen“, erklärte Roa Hachmann. Kein Kommentar zu dem Flyer auch von der zweiten Vorsitzenden des Vereins, Renate Schmidt, die ebenfalls bis gestern von einem Flyer nichts wusste.

Ute Krüger, Sprecherin der Stadt Uelzen, verwies angesprochen auf die überraschten Reaktionen der Kunstvereinsmitglieder auf die Rede von Otto Lukat während der Präsentation des Ausstellungskataloges, in der er deutlich gemacht habe, dass eine Mappe erstellt und auf diese hingewiesen werde. „Der Text des Einlegers deckt sich mit den Ausführungen während der Katalogpräsentation“, unterstrich zudem Ute Krüger.

Von Norman Reuter

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