Kunst statt Castor-Krawalle

Das Wendland zu entdecken ohne Polizeiabsperrungen und Blockaden von Castor-Gegnern – diese Möglichkeit gibt es vom 2. bis zum 13. Juni. Archivfoto: Veranstalter

Uelzen/Landkreis. Zwischen Himmelfahrt und Pfingstmontag macht wieder einmal ein Landstrich von sich reden, der sonst vor allem mit den Reizworten Gorleben und Castor verbunden wird. Und genau dort liegen auch die Wurzeln der „Kulturellen Landpartie“ (KLP), die zwischen dem 2. und dem 13. Juni zum 22. Mal stattfindet.

Zeit also, das Wendland zu entdecken ohne Polizeiabsperrungen und Blockaden von Castor-Gegnern, stattdessen aber voller Kunst, Kultur, Kunsthandwerk, Musik und Theater.

An mehr als 100 Aktionsorten mit rund 600 Aktivisten, verteilt auf über 80 Dörfer im und um den Landkreis Lüchow-Dannenberg, darf man staunen und sich wundern über die Kreativität, die sich an diesen zwölf Tagen im Wendland ballt. Ballen werden sich allerdings auch die Besuchermassen – ein guter Grund, das Auto stehen zu lassen und die KLP an den Sonn- und Feiertagen mit dem Bus abzuklappern. Seit zwei Jahren bedienen zwei Fahrradbuslinien von den lokalen Bahnhöfen Schnega, Dannenberg und Hitzacker aus die KLP. Es ist also möglich, diese gänzlich ohne Auto zu erradeln und tausende Besucher nutzen jedes Jahr die Gelegenheit, die meist stillen Dörfer ökologisch korrekt zu entdecken.

Wer sich für die Geschichte der KLP interessiert, ist mit einer Ausstellung in Kukate gut bedient. „Kommt her und schaut uns an! Wir sind die Chaoten, Krawallmacher, Randalierer, Störer und Berufsdemonstranten, die sich den Segnungen der Atomindustrie widersetzen!“, hieß es in der Einladung einer kleinen Gruppe von Atomkraftgegnern im Jahr 1990 zu einer Veranstaltung mit dem Namen „Wunde.r.punkte Wendland“, schon damals eine Aktion „zwischen Auflehnung und Anpassung, Kunst und Kommerz, zwischen Aquarell und Becquerel“.

Das ist die KLP bis zum heutigen Tag geblieben: Auf der einen Seite Filz- und Kunstschmiedearbeiten allerorten, auf der anderen Seite das Gorleben-Archiv in Lüchow. An der einen Scheune Biokräuter für den eigenen Garten, gleich nebenan die Goldschmiedin, die mit ihren Ringen und Ketten den Geldbeutel zu strapazieren droht.

In Harlingen am Gleisbett, wo im vorigen November noch 1300 Atomkraftgegener im Polizeikessel festgehalten wurden, gibt es eine Kunstperformance. An allen Ecken und Enden gibt es Konzerte, Theater, Kabarett und Tanz für kleines Geld, oft ohne festes Eintrittsgeld: „Hut geht rum“ heißt es da, jeder gibt, was er kann und was ihm das Erlebte wert ist.

Zur KLP ist wieder ein 280 Seiten starker Führer erschienen, der für 3,50 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Der ist erfahrungsgemäß schnell vergriffen. Schlau machen darüber, was wann wo stattfindet, kann man sich auch im Internet unter www.kulturelle-landpartie.de.

Wer von der KLP genug hat, paddelt vielleicht noch ein wenig auf der Elbe oder macht einen Abstecher nach Mützingen zur Mützingenta, die auch aus den „Wunde.r.punkten“ entstanden ist.

Von Jürgen Köhler-Götze

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