Kunstwerke und Poetry-Slams sollen 300 Kilometer Bahnlinie beleben

Kunst kommt auf Schiene

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300 Kilometer Zuglinie vom Harz bis ans Meer sollen mit Kunst belebt werden.

Landkreis Uelzen. Die Metroploregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg will mehr Kultur auf die Schiene bringen. Dabei arbeitet sie zusammen mit der Metropolregion Hamburg und dem Metronom.

Mehrere Projekte sollen den Reisenden während der Fahrt zwischen Hamburg und Kassel Kunst präsentieren. Dazu gehören etwa Tische im Zug mit Kunstmotiven aus der Region darauf oder Poetry-Slams. 300 Kilometer Bahnschiene sollen besonders werden und Hamburg mit der Mitte Deutschlands verbinden. Und Uelzen mittendrin.

Ab diesem Herbst starten die ersten Aktionen. Die Zeit drängt deshalb etwas, die Planer der südlichen Metropolregion müssen noch letzte Details mit der Metropolregion Hamburg absprechen. Beispielsweise die Frage der Kunstwerke, die auf den Tischen der Metronom-Züge abgebildet werden sollen. „By the way – Kunst für unterwegs“ heißt das Projekt, und fest im Plan sind schon Kunstwerke von südlicheren Bahnhöfen wie Celle, Kreiensen oder Unterlüß. Sie sind dann überall auf der Strecke der Metronom-Gesellschaft zu sehen.

Auch für den nördlichen Bereich, der mit dem Landkreis Uelzen in der Metropolregion Hamburg ist, sollen Kunstwerke erstellt werden, Kandidaten dafür sind Bienenbüttel, Bad Bevensen, Uelzen und Suderburg. Die Organisatoren um die „Kulturschiene“-Projektleiterin Sabine Flores haben den Künstler Harro Schmidt von der Kunsthalle „FAUST“ in Hamburg als Kurator gewonnen für dieses Teilprojekt. Spätestens im Dezember kommen die Bilder auf den Tisch. „Unser Ziel ist es, jeden Bahnhof zwischen Hamburg und Kassel abzubilden“, sagt Flores. Die Künstlerschar, die der Kurator Schmidt bisher um sich gereiht hat, werde also in den kommenden Wochen und Monaten durch die Orte mit Bahnhof tingeln und versuchen, sie mit ihren künstlerischen Mitteln darzustellen. Auch lokale Künstler, so hieß es bei der Infoveranstaltung im Hundertwasserbahnhof am Rande, könne man einbeziehen.

Aber das ist erst der Anfang: In Planung sind außerdem noch „Poetry-Slams“ also eine Art Dichterlesungen, die in Bahnhöfen stattfinden sollen, möglicherweise auch in den Zügen selbst. Im Fokus der Planer stehen dabei vor allem die größeren, durch Hochschulen jugendlicheren Städte. Aber auch Uelzen hat für einen Poetry-Slam einen ersten Termin am 14. November. Uelzen ist zwar weder jung noch hat es eine Hochschule, aber „ohne Uelzen muss man über eine Kunstschiene gar nicht erst nachdenken“, sagt Sabine Flores. Hier steht der Hundertwasserbahnhof, das allein ist ein Argument, auch Uelzen miteinzubeziehen.

Dass Poetry-Slams nicht unbedingt nur in den Bahnhöfen, sondern auch auf den Zügen selbst stattfinden können, das wurde beim gestrigen Gespräch im Hundertwasser-Bahnhof noch nicht verbindlich gesagt. Auch wenn es sich anbieten würde: Jan Görnemann, Geschäftsführer der Metronom-Eisenbahngesellschaft, sprach es aber als Vorschlag selbst an. Die Metronom bietet für die Tisch-Kunst schon den Raum, und könnte ihn auch für andere Aktionen bieten. „Und wenn sich da jemand eine Bananenkiste hinstellt, da kann er dann im Radfahrerabteil eine ,Speakers Corner’ machen“, sagte Görnemann mit Blick auf die Tradition von freien Reden im Hyde Park in London.

Raimund Nowak, Geschäftsführer der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, machte im Kreis von Vertretern der Bahnhöfe der Region deutlich, wie wichtig eine kulturelle Nutzung von Bahnhöfen sei: „Städte sind schlecht beraten, wenn sie ihre Bahnhöfe verhunzen lassen.“

Von Kai Hasse

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