Unternehmen westlich der Greyerbrücke spüren erste Folgen der Sperrung

Die Kunden bleiben weg

Mit dem Fahrrad und auf Umwegen: Horst Bowien (links) und Paul-Friedrich und Eva Bolzendahl haben den Weg gen Veerßen noch auf sich genommen. Foto: Bräutigam

Uelzen. Mit der Sperrung der Uelzener Greyerbrücke ist eine der Hauptverkehrsadern der Stadt seit zwei Wochen gekappt, und schon jetzt machen sich erste Auswirkungen in den Unternehmen bemerkbar, die westlich der Brücke liegen.

„Wir haben hier alle zu kämpfen“, sagt Hans-Jürgen Hartmann. Der Pächter der Aral-Tankstelle an der Veerßer Straße im Verlauf der B 71 hat festgestellt, dass die Kundschaft ausbleibt, seitdem die Greyerbrücke dicht gemacht wurde.

„Uns fehlt der Durchgangsverkehr“, analysiert Hartmann, aber auch Stammkunden sieht er seit 14 Tagen seltener als sonst. Von den 200 bis 300 Kunden pro Tag blieben etwa 10 bis 20 Prozent weg. Stattdessen fungiert das Tankstellen-Team vor allem als Verkehrsleitstelle: „Wir werden häufig gefragt, wie man jetzt von A nach B kommt“, berichtet Hans-Jürgen Hartmann, vor allem von Kraftfahrern, die von Soltau in Richtung Salzwedel wollen. Was er sich wünsche? „Ein Hinweisschild an der Kreuzung Soltauer Straße – damit Lkw-Fahrer, bevor sie dort abbiegen, uns doch noch finden.“

Heiko Biedrowski hat zwar „noch keine dramatische Entwicklung“ wegen der Brückensperrung ausgemacht, doch ein bisschen ruhiger sei es in seinem Grillstop an der Veerßer Straße schon geworden. „Ich habe gedacht, das wird schlimmer“, sagt er und ist froh, dass vor allem Stammkunden in sein Restaurant kommen. „Die Uelzener finden uns trotzdem. Aber die Kunden aus dem Ostkreis sind weniger geworden.“

Ändern könne man jetzt ja eh nichts mehr, sagt Biedrowksi, aber gewünscht hätte er sich, dass die Stadt eine Behelfsbrücke gebaut hätte. Denn auch wenn die Lage bei ihm nicht so brenzlig sei, seine Nachbarn seien von den Folgen der Sperrung sehr betroffen. Und das kann Bärbel Krause bestätigen. Die Filialleiterin des REWE-Marktes bekommt seit zwei Wochen deutlich zu spüren, dass Kunden wegbleiben. Und diejenigen, die kommen, beklagen sich über lange Umwege, die sie nun in Kauf nehmen müssen. Zum Beispiel, wenn sie am Königsberg wohnen. „Die sind genervt“, weiß Bärbel Krause. Und wer sich der Nerverei nicht aussetzen möchte, kauft eben jenseits der Greyerbrücke ein. „Man hätte da doch wenigstens eine Fahrbahn über die Ilmenau lassen können“, findet Krause.

Von ihren täglich 1300 Kunden bleibt derzeit ein Zehntel weg, überschlägt die Filialleiterin. Vor allem die Bewohner aus Veerßen und den umliegenden kleineren Ortschaften machten im Moment die REWE-Kundschaft aus. Aber vielleicht ändere sich die Situation noch, wenn die Schule wieder beginne, überlegt sie.

Horst Bowien wohnt am Königsberg und schlängelt sich auf Umwegen durchs Stadtgebiet, wenn er zum REWE-Markt will. Auch wenn er Sachen zur Wäscherei an der Gartenstraße geben möchte, die Luftlinie gerade mal 500 Meter vom Königsberg entfernt ist, muss der 88-Jährige ungefähr die dreifache Strecke quer durch die Stadt zurücklegen. „Das ist schon kriminell“, findet er am Rande eines Klönschnacks mit Paul-Friedrich und Eva Bolzendahl.

Das Ehepaar wohnt am anderen Ende der Stadt, nahe der Oldenstädter Straße, und fährt zweimal die Woche zum Sport nach Veerßen. Mit dem Fahrrad. „Das geht auch ganz gut“, sagt Eva Bolzendahl. Über die Katzenbuckelbrücke am Amtsgericht, dann entlang der Ilmenau und am Sommerbad vorbei. „Aber im Winter werden wir dann mit dem Auto fahren, wahrscheinlich über den Bohldamm.“ Wie genau sich alles entwickeln werde, müsse man eben sehen, lautet das Credo an der westlichen Veerßer Straße. Schließlich sind ja erst die ersten zwei Wochen der Brückensperrung vorüber, und ein ganzes Jahr steht noch bevor.

Von Ines Bräutigam

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