Manifest von Uelzens Kulturschaffenden im Wortlaut

Aus gegebenem Anlass

Es ist derzeit leicht, in Uelzens Stadtrat eine fraktionsübergreifende Mehrheit zu finden, die sich über Streichungen im Kulturbereich eine Sanierung des städtischen Haushalts verspricht.

Hier finden Sie mehrere AZ-Berichte zu dem Thema.

Es ist auch nicht schwer, mit einer Umfrage der hiesigen einzigen Tageszeitung in ihrem Online-Portal eine große anonyme Mehrheit zu mobilisieren, die Subventionen für – meist ehrenamtlich erbrachte – kulturelle Leistungen für überflüssig hält. Diese Mehrheit wächst, je weniger in kulturelle Bildung investiert wird. Man hat schon fast den Eindruck, dass sich manche Personen, die sich technisch-kommunikativ gerüstet auf der Höhe der Zeit wähnen, geradezu damit brüsten, klassischem Theater, klassischer Literatur, klassischer Musik, wo es geht, aus dem Weg zu gehen. Leider sieht man auch nur wenige Ratsherren und Ratsfrauen in Veranstaltungen, die einen gewissen kulturellen Anspruch haben. (Auch nicht Mitglieder des „Kulturausschusses“, den es inzwischen gar nicht mehr gibt.)

Diejenigen, die vor allem in diesen Bereichen den Rotstift ansetzen wollen, können also gar nicht wissen, was sie damit anrichten. Vielleicht merken sie relativ bald, dass mit Streichungen im Kulturbereich kein Haushalt zu sanieren ist. Wann aber werden sie begreifen, dass damit ein Lebensnerv der Gesellschaft abgetötet wird und eine Stadt ohne ein qualitativ hochstehendes Kulturangebot entscheidend an Attraktivität verliert?

Der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert (CDU), sagte kürzlich vor dem Verband deutscher Musikschulen, Einsparungen im Kulturbereich seien „doppelt kopflos, da die Kulturausgaben so gering sind, dass selbst bei völliger Einsparung die Haushalte nicht saniert werden könnten, und zudem dieser Bereich viel zu bedeutend ist, als dass wir uns an dieser Stelle Einschränkungen erlauben könnten“. Und weiter: „In Deutschland gibt es eine außergewöhnlich große Kultur- und besonders Musiklandschaft. Wenn es aber um die Zukunft dieser Landschaft geht, ist die kulturelle Bildung die Achillesferse.“ Was sagt das aber aus für jene wachsende Mehrheit, die gar nicht mehr weiß, was das ist: eine Achillesferse?

Sie erwidert darauf allenfalls mit dem heute längst diskreditierten, fast als Schimpfwort benutzten Begriff „Bildungsbürgertum“. Wir haben Sorge vor einer Entwicklung, wie sie schon länger in den USA zu beobachten ist: Kultursponsoring nur noch in den Metropolen, kulturelle Verödung (um nicht zu sagen: Verblödung) in der Provinz. Wir haben Sorge, dass diese Verödung auch in Uelzen eintritt, wenn Bürgermeister Otto Lukat, einer der letzten Förderer und Verteidiger von Kultur an Uelzens Stadtspitze, demnächst in Pension geht. Er kann sich jetzt schon offenbar nicht mehr auf eine Mehrheit im Stadtrat stützen.

Wir sind entsetzt auch, wenn wir in unserer Tageszeitung die wie ein Fanal gesetzte Überschrift lesen müssen: „Kultur ist Luxus“ (AZ v. 14.09.12). Wir können dazu nicht einfach schweigen, sondern sagen – übrigens in Übereinstimmung mit Wissenschaft und Forschung - laut und deutlich: Kultur ist kein Luxus, sondern Lebensmittel. Und zwar für alle.

Inge Andermann, Elisabeth Bachmann, Peter Bachmann, Hans-Jürgen Betzholz, Ursula Blohm, Wolfgang Blohm, Gisela Bruns, Ernst-Gerhard Busse, Ulla Busse, Maren Dietrich, Dr. Karsten Dietrich, Angelika Eggers, Marie-Luise Frank, Irene Freese, Dr. Else Fricke, Prof. Dr. Werner Fricke, Mechthild Götzenberger, Philine Haase, Roa Hachmann, Dr. Udo Hachmann, Monika Hanke, Barbara Harms, Hans-Heinrich Harms, Dagmar Hauck, Prof. Dr. Thomas Hengartner, Hans-Wilhelm Hube, Anja Imig, Brigitte Jerosch, Markus Jordan, Hans Jung, Traute Jung, Sibylle Kollmeier, Jörg Kramer, Helgard Krüger, Jürgen Krüger, Eckhard Lange, Ute Lange-Brachmann, Georg Lipinsky, Gabri Machini, Karin Malangré, Peter Malangré, Gisela Markuszewski, Knut Markuszewski, Thomas Matschoß, Erik Matz, Birgit Meyer-Alpers, Renate Meyer-Wandtke, Gesa Müller, Caritas Neuschäfer, Dietrich Roreck, Irene Roreck, Uta Rosenfeld, Uwe Rosenfeld, Helmut Schmidt, Renate Schmidt, Sabine Schmidt, Hartmut Schubert, Renate Schubert, Ingo Schulte, Robert Schulz, Inge Schulze, Jochen Schulze, Eike Schurig, Johanna Schurig, Henning Siemens, Heidrun Szuggar, Dr. Dieter Thiel, Hans-Jürgen Wandtke, Bettina Weingarten, Jutta Weingarten, Dr. Hans-Jürgen Wedemeyer, Lieselotte Wedemeyer, Johannes Wendebourg, Monika Wengel, Peter Wengel, Jutta Wenzel, Stefan Wenzel, Marion Winkler, Dr.Hanno Winter, Konstanze Winter

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