Kuddelmuddel vom Land

SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann lässt sich direkt auf dem Kartoffelacker vom Hof Timm in Holdenstedt die Probleme erklären.

Uelzen-Holdenstedt - Von Jürgen Köhler-Götze. Zu einem ersten Informationsbesuch hatten Vertreter von Bauernverband und Landwirtschaftskammer die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann auf den Hof Timm in Holdenstedt eingeladen.

Um den Termin nicht zu überfrachten, habe man sich auf wenige Themen konzentriert. Zum einen auf die Bewässerung, bei der die Landwirte im Kreis in der Tat eine besondere Position haben. Etwa 95 Prozent der Ackerfläche könne man hier bewässern. Für die Kartoffeln sei das unabdingbar und jede zweite Kartoffel in Deutschland stamme aus Niedersachsen. Seit 1959 werde im Landkreis beregnet, erklärte Landwirt Lutz Meyer. Im Durchschnitt stehen dafür den Landwirten 75 mm Wasser pro Quadratmeter und Jahr zur Verfügung. Außer im Ostkreis gebe es nirgendwo Probleme mit dem Wasser, weder qualitativ noch was die Wassermenge anbelangt. Es würden aber auch nur 55 bis 58 mm Wasser genutzt. „Die Wanne läuft immer noch über und nicht leer“, pointierte Riggert die Situation. Allerdings: Man müsse die Wassernutzung bezogen auf die Region – nicht auf einzelne Ackerflächen – betrachten. Genau hier bestünden Probleme mit dem Kreis als Regulierungsbehörde. „Der Landkreis wartet nur ab und die Landwirtschaftskammer befürchtet eine Regulierung per Strafzahlung“, so Riggert.

Ein größeres Problem sehen die Landwirte bei den Ausgleichmaßnahmen für Flächenversiegelungen: Derzeit müsse 1:3 ausgeglichen werden, das heißt, dass für jeden bebauten Hektar drei weitere Hektar der Landwirtschaft entzogen werden. Durch den Bau der geplanten A 39 drohen den Landwirten erhebliche Flächenverluste und auch Preissteigerungen für Land. Riggert forderte, dass der Ausgleich durch Geldzahlungen möglich sein müsse, „sonst haben wir in 60 Jahren keine nutzbare Fläche mehr“. Lühmann entgegnete, das Verhältnis 1:3 sei ein Missverhältnis, aber auf Zahlungen wollte sie sich nicht festlegen lassen. Sie plädierte für flexible Regelungen und für Rückbauverpflichtungen auch für Industrie und Häuslebauer.

Auf den Nägeln brennt den Landwirten auch die Erosionsrichtlinie, EU-Recht, dass bis zum 30. Juni in Landesrecht überführt werden muss. „Kuddelmuddel“, nannte Riggert das, was vom Land kommt, „alles im Hätte-Könnte-Wollte-Stadium.“ Wie die Richtlinien in Bayern entstanden sind, „das will ich lieber gar nicht wissen“, aber mit denen aus NRW, mit denen könne man leben. Die aber werden in Niedersachsen vom Ministerium abgelehnt.

Lühmann ließ sich „live und in Farbe“ auf Timms Kartoffelacker zeigen, warum es schwer möglich ist, immer quer zur vorherrschenden Windrichtung zu pflügen, wie im Entwurf gefordert. Lühmann riet, auf EU-Ebene aktiv zu werden und zusätzlich dem Land die NRW-Richtlinien vorzuschlagen. „Das muss dann jemand schlüssig begründen, warum in Niedersachsen nicht möglich sein soll, was in NRW offensichtlich möglich ist.“

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