Soltendieck und andere kleine Schulen: Annegret Krause erläutert die Sichtweise der Landesschulbehörde

„Kritischer Punkt erreicht“

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Wie lange laufen noch Kinder durch Soltendiecks Schul-Flure? Ein konkreter Vorschlag sieht die „stufenweise Auflösung“ der Drei-Linden-Schule vor. Die kleinste Einrichtung in der Samtgemeinde Aue wird von insgesamt 36 Schülern besucht – im Schnitt sind das neun pro Jahrgang.

Samtgemeinde Aue/Lüneburg. Unter welchen Umständen ist eine Schule zu klein und sollte geschlossen werden? Diese Frage beschäftigt im Moment viele Eltern, Lehrer und Politiker in der Samtgemeinde Aue.

Hintergrund sind Planungen, die Grundschule in Soltendieck zu schließen und auch die Einrichtung in Lüder steht zur Disposition (AZ berichtete).

Leicht fällt eine Antwort nicht, selbst die Landesschulbehörde in Lüneburg tut sich bei konkreten Kriterien schwer: „Es gibt keine klaren Regeln oder Kennzahlen, ab wann es pädagogisch keinen Sinn mehr macht“, sagt die Schulfachliche Dezernentin Annegret Krause. „Es fängt immer dann an schwierig zu werden, wenn nicht genügend Kinder für eine eigene Klasse zusammenkommen.“ In diesem Fall richten Schulen in der Regel sogenannte Kombiklassen ein, in denen jahrgangsübergreifend unterrichtet wird. Doch selbst das ist nicht automatisch ein Kritikpunkt. „Es gibt auch Konzepte, wie etwa in Bad Bevensen, wo diese Klassen aus pädagogischen Gründen gezielt geschaffen werden“, erklärt Krause.

Fest stehe aber, dass es zu Problemen führen kann, wenn eine Grundschule die vier Jahrgänge in zwei Kombiklassen unterbringt. Das ist in Soltendieck der Fall. Laut Verteilungsschlüssel stehen einer solchen Einrichtung nur 2,5 Lehrerstellen zu. „Das ist natürlich ein empfindliches System“, meint Krause im Hinblick auf eventuelle Krankheitsfälle. Auch die Abdeckung der unterschiedlichen Unterrichtsfächer könne ein Manko sein. „Muss es aber nicht“, erklärt sie im gleichen Atemzug, „denn es gibt viele Lehrer, die sich auch in fachfremde Themen sehr gut einarbeiten können.“

Auch bei den Klassengrößen gibt es kein eindeutiges K.O.-Kriterium. Zumindest steht für die Dezernentin fest: „Die Gleichung vieler Eltern, ,je kleiner desto besser’ geht nicht auf.“ Es gäbe definitiv auch Klassen, die zu klein sind. Zwar könnte sich die Lehrkraft bei weniger Schülern intensiver um den einzelnen kümmern. Aber irgendwann sei eine Grenze erreicht, wo das „Voneinander-Lernen der Schüler – das man nicht unterschätzen darf“ zu kurz käme.

Entscheidend sei aber weniger die absolute Zahl als die jeweilige Zusammensetzung. Hier gelte vielmehr die Regel: Je kleiner eine Klasse ist, desto mehr könne das störende Verhalten einzelner ins Gewicht fallen.

Grundsätzlich sehe die Verordnung für die Schulorganisation vom Kultusministerium vor, dass Grundschulen mindestens einzügig aufgestellt sind – laut Krause gehe man in aller Regel aber von einer Zweizügigkeit aus. Eine andere Definition gibt eine Jahrgangsstärke von 24 Schülern pro Klasse vor. Schulen, die diese Vorgaben nicht erreichen, können jedoch in Ausnahmefällen unter zwei Voraussetzungen fortgeführt werden: Wenn die Jahrgangsstärke nicht länger als zwei Schuljahre lang unter acht Schülern liegt und andernfalls die Schulwege wesentlich ungünstiger würden.

Die Realität sehe jedoch häufig anders aus, weiß Krause. Trotzdem habe es noch keinen Fall gegeben, in dem die Landesschulbehörde einen Schulträger dazu aufgefordert hat, eine Schule zu schließen. In bestimmten Fällen werde eine Schließung nach Auffassung der Behörde aber sinnvoll: „In Soltendieck ist solch ein kritischer Punkt erreicht, über andere Standorte wird der Schulträger nachdenken müssen“, sagt Krause. Die Notwendigkeit ergebe sich meist durch die Finanzlage – so etwa auch, wenn man sich in einem Entschuldungsvertrag zu bestimmten Einsparungen verpflichtet hat.

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