Hundesteuern zwischen 20 und über 700 Euro: Jede Gemeinde im Landkreis entscheidet selbst

Kritik an „willkürlichen“ Abgaben

Für seinen Hund zahlt der Uelzener rund 80 Euro Steuern. Wer in Gerdau einen Bullterrier besitzt, muss 480 Euro aufbringen. Uelzens Tierschützer halten das für willkürlich – ebenso wie Elmar Vitt aus Lüneburg, der jetzt am Europäischen Gerichtshof klagt. Foto: Archiv

Uelzen/Landkreis. Die deutsche Hundesteuer verstößt gegen das Diskriminierungsverbot und ist willkürlich: So begründet Elmar Vitt aus Lüneburg seine Klage gegen die Hundesteuer vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Und in dieser Position habe er Recht, finden Uelzener Tierschützer. Karin Rothe, Vorsitzende des Tierschutzvereins Uelzen, kritisiert vor allem, dass einige Rassen benachteiligt werden.

Von 20 bis über 700 Euro pro Jahr reicht die Spanne der Hundesteuer im Landkreis Uelzen. Jede Gemeinde legt ihre Sätze für die Hundesteuer nach eigenem Ermessen fest. In Gerdau etwa zahlen Hundehalter für einen Pudel, Schäferhund oder Golden Retriever 30 Euro, für den zweiten 60 Euro, für einen gefährlichen Hund jedoch 480 Euro und für einen zweiten gefährlichen Hund 720 Euro. Bullterrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Pitbull-Terrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunderassen fallen in die teure Kategorie. In anderen Gemeinden wird hingegen gar nicht unterschieden. In Bad Bevensen beispielsweise liegen die Beträge zwischen 60 (für einen Hund) und 120 Euro (ab dem dritten Hund) und in der Stadt Uelzen zwischen 83 und 138 Euro. Es gebe „keine böse Rasse per se“, sagt Rothe zu dieser Unterscheidung. Wenn bei ihr im Tierheim ein Hund abgegeben werde, der entsprechend der Gerdauer Satzung in die gefährliche Kategorie eingestuft wird, weil von ihm eine Verletzungsgefahr ausgehe, sei es wegen der hohen Steuer teilweise schwieriger, ein neues „Herrchen“ zu finden: „Die Hundesteuer kann ein Kriterium sein, das hat mich schon über Jahre geärgert“, sagt Rothe. Die Steuer auf Hunde, die noch aus dem 19. Jahrhundert übrig geblieben ist, ist nach Ansicht von Rothe auch „willkürlich“, weil Pferde und Katzen ebenso öffentliche Straßen nutzen.

Wolfgang Roboom von der Uelzener Tiertafel hält die Hundesteuer ebenfalls nicht mehr für zeitgemäß, inbesondere die Herausstellung bestimmter Rassen. „Jeder Hund, der auffällig wird, wird geprüft“, erinnert er an Wesenstests für Kampfhunde. „Das hat mit der Steuer nichts zu tun.“ Bei der Tiertafel habe er mit Menschen zu tun, die vorübergehend in Not geraten sind und das Hundefutter nicht zahlen können. Wenn Vitt mit seiner Klage vor dem Gerichtshof Erfolg hätte und die Abgabe abgeschafft würde, dann könnte das diesen Uelzenern helfen, ihren Hund zu halten. „Ich denke schon, dass das für die eine Erleichterung wäre“, sagt Roboom. Seite 14

Von Diane Baatani

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