Kritik an Fördermittel-Kürzung für Landärzte / Landkreis ist laut Quote „optimal“ ausgestattet

„Augenwischerei“ Ärzteversorgung

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Uelzen/Landkreis. Die ärztliche Versorgung im Landkreis Uelzen ist optimal – zu diesem Ergebnis kommt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Die Vereinigung attestiert dem Landkreis beispielsweise einen Versorgungsgrad, der das Verhältnis von Ärzte- und Patientenzahl beschreibt, im Bereich der niedergelassenen Hausärzte von 108 Prozent. Ein Versorgungsgrad von 100 Prozent gilt bei der KVN als „optimal“, ab 75 Prozent spricht die Vereinigung von einer Unterversorgung und bei 110 Prozent von einer Überversorgung. „Im Landkreis Uelzen versorgen 63,25 Hausärzte – hinter den 0,25 Prozent verbirgt sich ein Job-Sharing-Modell – 93 280 Einwohner“, berichtet KVN-Pressesprecher Detlef Haffke. Lediglich ein Hausarzt könne sich laut KVN-Plan noch im Landkreis Uelzen niederlassen. Bei den Fachärzten gebe es nur bei Urologen sowie bei Kinder- und Jugendpsychologen Bedarf. „Man muss aber bedenken: Es handelt sich bei dem Versorgungsgrad um eine Rechenformel“, betont Haffke. „Dennoch ist bekannt, dass es aus unterschiedlichsten Gründen schwierig ist, junge Ärzte auf das Land zu bekommen. “ Dass die Landesregierung ab 2014 rund 60 Prozent weniger Zuschüsse – das entspricht 400 000 Euro – in die Unterstützung von Landärzten investieren möchte, sieht Haffke für Uelzen weniger kritisch: „Es ist ja keine Kürzung, sondern eine Verlagerung. Statt der Förderung individueller Niederlassungen fließen jetzt 600 000 Euro in die Förderung von Gesundheitsstrukturen. “.

Der Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer (CDU) spricht angesichts des geschrumpften Fördertopfes und der Versorgungsquote von „Augenwischerei“: „Auf Nachfrage zu den künftigen Aussichten zeigte sich die Kassenärztliche Vereinigung in Lüneburg äußerst optimistisch mit dem Hinweis auf mögliche Zweigstellenbetriebe“, sagt Hillmer; „Die Situation, dass eine frühere Arztpraxis von anderen Ärzten mit betreut wird, haben wir stellenweise jetzt schon. Wenn dieses Verfahren ausgedehnt wird, wäre rein rechnerisch alles in bester Ordnung, tatsächlich aber würden bei der Versorgung mit Landärzten immer mehr Engpässe herrschen.“ Es müsse dort gefördert werden, wo tatsächlich Bedarf bestehe.

Bevensen-Ebstorfs Samtgemeindebürgermeister Hans-Jürgen Kammer kann derzeit „keine Probleme“ bei der medizinischen Versorgung seiner Kommune ausmachen. Die Kürzung der Zuschüsse kritisiert er: „Dadurch wird es nicht attraktiver, sich auf dem Land anzusiedeln.“

Harald Benecke, Samtgemeindebürgermeister Aues sowie Geschäftsführer des Kreisverbandes Uelzen im Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund: „Die Bevölkerung wird älter und die Ärzte auch – das passt aber nicht zusammen“, verdeutlicht er, dass der Ärztenachwuchs teilweise fehle. „Das Problem ist ja auch, dass die ärztliche Versorgung vielleicht gut ist, aber wenn sich alle im Raum Bienenbüttel oder Bevensen tummeln, hilft das auch wenig.“ Er sieht vor allem die KVN in der Pflicht, Anreize für Ärzte zu schaffen, wobei auch die Kommunen ihren Teil beisteuern müssten.

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