Uelzen und die Kultur – Kreiskantor Erik Matz setzt sich in die erste Reihe

Aus Sicht der ARD

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„Nur begrenzt vom Zeitgeist leiten lassen“: Erik Matz stellt den Bildungsauftrag der Kultur in den Mittelpunkt.

Uelzen. Die Stadt Uelzen ringt um den Zukunftsvertrag – finanzielle Einschnitte inklusive. Gruppierungen, Interessenvertreter und Lobbyarbeiter formieren sich, um Pfründe zu sichern und womögliche Abstriche abzumildern.

Auch und gerade im regen kulturellen Leben der Uhlenköperstadt – eine spannende Diskussion ist entfacht. Als Replik auf Jabelmannbetreiber Uli Gustävel, der im AZ-Interview in der vergangenen Woche gefordert hat – ob kommunal oder privat –, „sich dem Zeitgeist zu stellen“, meldet sich jetzt Erik Matz, seit 18 Jahren verantwortlicher Kreiskantor an der St. -Marien-Kirche, zu Wort.

„Ich schätze die Arbeit von Herrn Gustävel. Doch er hat – wenn ich es mit den Fernsehsendern vergleiche – eher für RTL und Pro 7 gesprochen. Wir verfolgen allerdings eher den öffentlich-rechtlichen Part, sodass ich die Diskussion aus Sicht der ARD bereichern möchte“, stellt Matz ausdrücklich den „Bildungsauftrag in den Mittelpunkt“. In einem solch exponierten Raum wie der St.-Marien-Kirche gelte es, jenseits der Eventkultur Nachhaltigkeit zu schaffen. „Wir können nicht nur auf große Namen achten oder auf die, die gerade hochgejubelt werden, sondern wollen mit Fachkenntnis ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellen – mit gleichbleibendem Qualitätsanspruch.“ Kultur dürfe in dem Zusammenhang nicht nur als Unterhaltung gesehen werden, sondern als Medium, das Inhalte transportiere. Der Kreiskantor betont dabei, dass man sich nicht von Klischees und nur begrenzt vom Zeitgeist leiten lassen dürfe.

Matz, der sich in den vergangenen Jahren als Preisträger mehrerer Chorwettbewerbe auch überregionale Bedeutung erworben hat, hofft, dass sich die derzeitige Debatte um die Kulturausrichtung in Uelzen befruchtend auswirken möge. „Letztlich hat jeder Ansatz seine Berechtigung.“ Vor diesem Hintergrund hat der Kreiskantor ein Problem ausgemacht, mit dem alle Beteiligten konfrontiert seien – „die Übersättigung“. Es gebe nach Einschätzung des Kirchenmusikers „im kulturellen Bereich kaum noch Hunger“.

Die Konsequenz: „Alle Kulturanbieter müssen sich überlegen, wie sie die Menschen gewinnen können.“ Bei diesen Überlegungen würden die Kulturschaffenden in einer Reihe sitzen – egal, ob aus Sicht von RTL und Pro 7 oder von ARD und ZDF.

Von Andreas Becker

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