SPD-Fraktion uneins: Neuer Kreistag wird nun über 40 Millionen-Projekt beraten

Aus für Kreishaus-Neubau ?

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Das alte Kreishaus ist sanierungsbedürftig. Ein Neubau war für die Kreispolitik bisher die bessere Option.

Uelzen. Wurden die Pläne für ein Neubau des Kreishauses am Dienstagabend „beerdigt“? Ja, meint Claus-Dieter Reese, Vorsitzender der Mehrheitgruppe aus CDU und FDP im Kreistag. Reese: „Ich glaube, dass wir ein Kreishaus-Neubau zu den Akten legen können.“

Der Grund für Reeses Einschätzung: In der nächsten Woche sollte sich eigentlich noch der alte Kreistag mit dem geplanten Neubau befassen, einen Standort für den Verwaltungssitz festlegen. Doch zu diesem Beschluss wird es aller Voraussicht nach nicht kommen. 

Für eine solche Entscheidung hätte sich am Dienstagabend der Kreisausschuss in nicht öffentlicher Sitzung bereits damit auseinandersetzen müssen. Dazu kam es aber nicht, wie gestern Lothar Heinisch vom Landkreis in einem Pressegespräch erklärt. Und eine weitere Chance hat der bisherige Kreistag nicht mehr, über die Neubaupläne zu beraten.

Im November kommt bereits der bei den Kommunalwahlen neugewählte Kreistag zusammen. Sieben Parteien, darunter AfD und Linke, werden im neuen Kreistag sitzen. Claus-Dieter Reese befürchtet, dass dieser den Kreishaus-Neubau noch einmal grundsätzlich in Frage stellen wird – oder die Entscheidungen sich solange hinziehen, dass sich bei womöglich wieder steigenden Zinsen ein Neubau nicht mehr rechnet.

Die Pläne für ein Kreishaus-Neubau stammen aus dem vergangenen Jahr. Der bisherige Verwaltungssitz an der Veerßer Straße ist nach 60 Jahren sanierungsbedürftig. Die Politik stellte 2015 die Frage: Sanierung oder Neubau – was ist die bessere Lösung? Die Antwort lautete: Ein Neubau an anderer Stelle. Kostenpunkt: Mindestens 40 Millionen Euro. Nach einer Standortprüfung waren zuletzt zwei Flächen in die engere Auswahl für einen neuen Verwaltungssitz gekommen: Das Stadthallengelände sowie das ehemalige Kieselgurwerk-Areal an der Eschemannstraße.

Abgesetzt wurden die weiteren Beratungen zu einem neuen Kreishaus am Dienstagabend von der SPD-Fraktion, wie deren Vorsitzender Jacques Voigtländer gegenüber der AZ erklärt. Wegen einer „diffusen“ Diskussion zum Kreishaus-Neubau in seiner Fraktion – unter anderem auch zu der Standortfrage. Voigtländer hält fest: Die günstigere Lösung wäre an der Eschemannstraße zu realisieren.

Die SPD-Fraktion uneins, die CDU-FDP-Gruppe verärgert – und Feierstimmung bei der Gruppe Grüne/Bündnis Zukunft in Sachen Kreishaus: Sie sprach sich bereits vor Monaten dafür aus, dass der neue Kreistag die Entscheidung treffen soll, weil seine Mitglieder auch die Köpfe für alle Folgen hinhalten müssten. Gruppenvorsitzende Birgit Ohrenschall-Reinhardt: Die Wende sei überraschend gekommen, „aber man freut sich.“

Von Norman Reuter

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