CDU/FDP-Gruppe will nun öffentliche Beratung der Politik über Neubau

Kreishaus: Kehrtwende bei Millionenbau?

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Das jetzige Kreishaus wurde in den 1950er-Jahren gebaut. Das sieht man den Büros teilweise an. Die Farbe blättert von den Heizkörpern. Und es ist beengt, wie Baudezernent Frank Peters bei einem Rundgang durch das Haus erklärt.

Uelzen/Landkreis. Die Entscheidung über den Standort für ein neues Kreishaus in Uelzen könnte nun doch öffentlich getroffen werden.

Stefan Hüdepohl

Stefan Hüdepohl, Vorsitzender der größten Kreistagsgruppe aus CDU und FDP, erklärt auf AZ-Anfrage, dass seine Gruppe einen Beschluss für die Sitzung des Kreistages am 20. September vorschlagen will. Damit folgt die CDU/FDP-Gruppe dem Antrag von Grüne/Bündnis Zukunft; die Gruppe hatte eine öffentliche Beratung und einen Beschluss nach der Kommunalwahl gefordert. Der Urnengang ist für den 11. September angesetzt. Ursprünglich sollte der Beschluss zum Standort heute hinter verschlossenen Türen vom mit elf Mitgliedern besetzten Kreisausschuss gefällt werden.

Warum nun die Kehrtwende? Stefan Hüdepohl: „Der Antrag der Grünen lag vor. Dem wollten wir dann auch entsprechen.“ Zudem gebe es innerhalb der CDU/FDP-Gruppe auch noch Beratungsbedarf zu dem Vorhaben. Wie berichtet, hatte das Hamburger Unternehmen Combine Consulting in den vergangenen Monaten mögliche Standorte für einen Kreishaus-Neubau in Uelzen betrachtet, darunter das frühere Kieselgur-Gelände an der Eschemannstraße/Ecke Sternstraße sowie das Areal an der Ebstorfer Straße, auf dem heute noch die Uelzener Stadthalle zu finden ist. Combine Consulting kam bei seinen Analysen zu dem Ergebnis, dass ein Neubau der Kreisverwaltung mit Arbeitsplätzen für 396 Beschäftigte mindestens 43 Millionen Euro kosten wird (AZ berichtete). Zu den Ausführungen von Combine Consulting hätten Gruppen-Mitglieder noch Fragen, die bis zur Entscheidung im September geklärt werden könnten, so Stefan Hüdepohl.

Bei der Gruppe Grüne/Bündnis Zukunft nimmt man die Nachricht, dass man ihrer Forderung nach einer öffentlichen Beratung womöglich nachkommen wird, mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Dort will man noch nicht so recht an den Kurswechsel glauben: „Kommt es so, wie angekündigt, ist das super“, sagt Birgit Ohrenschall-Reinhardt, Vorsitzende der Gruppe, gegenüber der AZ. Sie schließe aber nicht aus, dass nun in nicht öffentlicher Sitzung vom Kreisausschuss bereits alles festgezurrt werde und der Kreistag schließlich nur noch abnicken dürfe. „So soll es nicht kommen“, sagt die Kommunalpolitikerin.

Von Norman Reuter

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Angst vor dem Wähler 

Von Norman Reuter 

Norman Reuter

Jetzt also womöglich eine öffentliche Beratung zum Kreishaus-Neubau: Nachdem die Gruppe Grüne/Bündnis Zukunft Transparenz einforderte und ein AfD-Kandidat inkognito in der Bürgersprechstunde des Kreistages unangenehme Fragen zum Thema stellte. Die Kehrtwende riecht nach Angst, bei der Wahl für Entscheidungen hinter verschlossenen Türen abgestraft zu werden. Der Bürger hat in Sachen Vertragsaffäre beim Citymanagement jüngst einen Eindruck bekommen, was in nicht öffentlichen Sitzungen beschlossen wird. Die Empörung in der Öffentlichkeit war groß. Nun darf niemand in Sippenhaft genommen werden, aber das Vertrauen in „die Politik“ dürfte einmal mehr gelitten haben.

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