Von Woche zu Woche

Der Kreis Uelzen will sich ein Haus bauen

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Das bisherige Kreishaus steht seit 1954 an der Veerßer Straße. Es ist sanierungsbedürftig.

Und jetzt soll alles plötzlich ganz schnell gehen: Noch im Sommer, also vor der Kommunalwahl, sollen die Details für den Neubau eines Kreishauses in Uelzen festgezurrt sein.

Nun ist es sicher in vielerlei Hinsicht zunächst grundsätzlich erst einmal löblich, dass Politik und Verwaltung in dieser Frage nicht zaudern, sondern zielstrebig vorangehen. Schließlich ist das alte Gebäude am Veerßer Tor baufällig; Nachbesserungen nicht zuletzt beim Brandschutz drohen finanziell ein Fass ohne Boden zu werden. Und natürlich hat man auch eine Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter, die in längst nicht mehr zeitgemäßen Büros arbeiten müssen.

Auch der Umstand, dass man auf eine mögliche Kreisfusion in einigen Jahren keine Rücksicht nimmt, sondern stattdessen schnell noch den Status Uelzens als Kreisstadt stärken will, mag ja unter Gesichtspunkten des Lokalpatriotismus noch erklär- und nachvollziehbar sein.

Doch es sind ein paar Umstände bei diesem Projekt, die den Betrachter dann doch irritieren. So macht es nachdenklich, wie kurz angebunden sich die Kreisverwaltung auf konkrete Nachfragen zu dem Bauvorhaben gibt. Etwa beim Thema Finanzierung. Gerade mal die Gesamtbausumme von 29,6 Millionen Euro ist bekannt. Wobei jeder weiß, dass dies eine Zahl ist, die nur auf dem Papier stehen wird, wenn die Kommune als Bauherr auftreten sollte. Vielmehr sind Kostenexplosionen dann völlig normal, wie man jetzt auch beim Bau des Audimax in Lüneburg nicht müde zu betonen wird. Und die Liste dieser Beispiele ließe sich beliebig verlängern.

Und dann ist da noch das Reizwort „Gebäudemanagement“. Dieses kommunale Tochterunternehmen sei als „Dienstleister“ sicher in das Bauvorhaben Kreishaus mit eingebunden, verkündete der Erste Kreisrat Uwe Liestmann. Und so wächst das ungute Gefühl zu einer leichten Übelkeit aus. Denn das Gebäudemanagement steht aktuell nicht gerade für solides Wirtschaften und verlässliche Bauaufsicht; vielmehr flammt der Skandal um die Kostenexplosion beim Umbau des alten Uelzener Rathauses gerade wieder richtig auf und wird angesichts der Rückforderungen, die man nunmehr an Handwerksbetriebe hat, wohl noch ein Fall für die Gerichte.

Auch was die Prüfung möglicher Standorte angeht, hüllt sich die Kreisverwaltung aktuell noch in Schweigen – durchaus nachvollziehbar angesichts des Umstandes, dass man beim Kreis mit einem Neubau am Emsberg (Pestalozzi-Schule) liebäugelt, Teile der Politik aber alternative Standorte wie zum Beispiel das Stadthallen-Gelände oder das ehemalige Kieselgurwerk an der Bahnhofstraße favorisieren. Eines aber ist auch klar: In absehbarer Zeit müssen diese vielen der Öffentlichkeit bislang vorenthaltenen Antworten gegeben werden, wenn eine Grundsatzentscheidung schon bis Sommer gefällt werden soll. Denn man sollte die Bürger möglichst schnell mit ins Boot nehmen, sonst wird man keine Akzeptanz für solch ein Projekt finden. Schließlich ist es der Otto Normalverbraucher, der letztlich solch einen Millionenbau mitfinanziert – und auch alle Nachzahlungen. Je schneller Transparenz ausgeübt wird, desto größer ist die Chance, an einem Strang zu ziehen.

Das Wichtigste aber ist: Ein Finanzierungskonzept, das zumindenst einem gewissen Realitätsanspruch gerecht wird. Wie das funktionieren kann, hat die Stadt Uelzen vorgemacht, deren Leasingkonzept beim neuen Rathaus sich letztlich als der richtige Weg erwies.

Von Thomas Mitzlaff

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