Lüchow-Dannenberg ist hoch verschuldet – und schielt plötzlich nach Uelzen

Der Kreis, den keiner will

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Uelzen. Sie sind das Armenhaus der Heide – und ebenso stur wie pleite: Die Lüchow-Dannenberger haben sich bislang allen Gesprächen über Kreisreformen verweigert.

Als Konsequenz sind die Landkreise Uelzen und Lüneburg ihre eigenen Wege gegangen, haben durch die so genannten Zukunftsverträge eine Chance auf komplette Entschuldung, während Lüchow-Dannenberg immer tiefer im Haushaltsloch versinkt. Nun plötzlich kommen die Nachbarn wieder an: Lüchows Landrat Jürgen Schulz will dem Kreistag vorschlagen, jetzt doch mit Uelzen und Lüneburg in Fusionsgespräche einzusteigen.

75 Prozent der Schulden erlässt das Land Niedersachsen den Kreisen Uelzen und Lüneburg, beide können darauf hoffen, in absehbarer Zeit völlig ohne Schulden dazustehen. Rund 120 Millionen Euro Schulden bei nur 49 000 Einwohnern hat dagegen der Landkreis Lüchow-Dannenberg. Nimmt man noch die Schulden der Samtgemeinden dazu, sind es sogar 170 Millionen Euro. Und alle Versuche, auf Gemeinde- oder Kreisebene selbst mit einem Entschuldungsvertrag aus der Finanzmisere zu kommen, sind fehlgeschlagen. Und plötzlich hat man es im Nachbarkreis ganz eilig: Laut Medienberichten will der parteilose Landrat Jürgen Schulz jetzt sogar am 4. Juni eine Sondersitzung des Kreistages einberufen, um das Thema Fusion voranzutreiben.

Jetzt will – vielleicht – Lüchow-Dannenberg. Aber nun sind die anderen skeptisch. Eigentlich könne man mit dem Nachbarkreis nur zusammengehen, wenn dieser entschuldet ist, sagt etwa der CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Claus-Dieter Reese. Doch um das hinzubekommen, „reicht nur eine Entschuldungshilfe von 75 Prozent eigentlich nicht aus“, betont der Christdemokrat. Wegen seiner eklatanten Strukturschwäche müsse der Nachbarkreis eigentlich noch eine Summe X zusätzlich bekommen, um sich mittelfristig über Wasser halten zu können, meint Reese: „Nur dann könnten wir auch auf Augenhöhe verhandeln, alles andere würde keinen Sinn machen.“

Diese Entwicklung sei auch ein Grund, warum die CDU mit Nachdruck fordere, die Kreisverwaltung fit für die Zukunft zu machen: „Das ist letztlich Teil unserer Überlebenschance.“ Wenn das Land Niedersachsen nämlich auf Fusionen bestehe, „dann möchten wir lieber eine kleine Lösung mit Uelzen als Kreisstadt“. Bei einer großen Fusion, zu der auch noch der Kreis Lüneburg käme, „würde Lüneburg dann auch Kreisstadt und das hätte erhebliche Nachteile für uns“.

Etwas diplomatischer gibt man sich im Uelzener Kreishaus – schließlich ist die Fusions-Bereitschaft auch Teil des Zukunftsvertrages. „Wir haben nicht ohne Grund selbstständig unsere Entschuldung betrieben, nachdem uns die Dannenberger signalisiert hatten, dass kein Interesse mehr besteht“, so Erster Kreisrat Uwe Liestmann. „Eigentlich haben wir das Thema nicht mehr auf der Tagesordnung.“ Aber wenn der Nachbarkreis auf Uelzen zukomme, „werden wir das Gespräch natürlich suchen“.

Kurz und knapp macht es Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt: „Wir sind immer zu Gesprächen bereit und auch dazu, solche Themen ergebnisoffen zu diskutieren.“

Von Thomas Mitzlaff

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