Deutliches Zuwanderungs-Plus wird durch sinkende Zahl der Babys aufgezehrt

Kreis im Geburten-Dilemma

Im Kreis Uelzen werden immer weniger Kinder geboren – der Hauptgrund für den anhaltenden Bevölkerungsrückgang. Die steigende Zahl zugezogener Bürger kann dieses Minus nicht ausgleichen. Foto: dpa

Uelzen/Landkreis. Er gilt als strukturschwacher Raum, dessen Bevölkerungszahl stetig sinkt und der nur wenige Neubürger anlockt: Die Klischees über den Landkreis Uelzen sind weit verbreitet. Doch die Attraktivität der Region als Wohn- und Arbeitsort ist größer als viele denken.

Das beweisen aktuelle Zahlen des niedersächsischen Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie.

„Die demografische Entwicklung im Landkreis Uelzen ist während der vergangenen zehn Jahre positiver verlaufen, als dies gemeinhin in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“, sagt Landrat Theodor Elster. So habe es seit 2001 in jedem Jahr deutlich höhere Zuzugs- als Abwanderungszahlen gegeben. Einzige Ausnahme war 2008, als sich der Effekt einer statistischen Bereinigung zeigte.

„Es haben sich also mehr Bürger hier niedergelassen als im gleichen Zeitraum aus dem Landkreis Uelzen fortgezogen sind“, erklärt Elster. Besonders erfreulich ist seiner Ansicht nach die Altersstruktur: Den Großteil der Neubürger machen die 30- bis 50-Jährigen aus, die mit dem Umzug häufig auch noch ihre Kinder mitbringen. Die Zahl dieser Personen liegt in jedem der vergangenen zehn Jahre weit über der anderer Altersgruppen. So zogen 2010 Jahr insgesamt 984 Menschen im Alter von 30 bis 50 Jahren in den Kreis Uelzen, während 848 abwanderten.

Fast ausgeglichen ist die Zuzugs- und Fortzugsbilanz bei der Altersgruppe der 25- bis 30-Jährigen. Dagegen verlassen nach wie vor deutlich mehr 18- bis 25-Jährige nach dem Schulbesuch den Landkreis Uelzen – zum Beispiel, um zu studieren oder eine Berufsausbildung zu beginnen. Insgesamt ergibt sich für alle Altersgruppen im Jahr 2010 aber ein positiver Zuwanderungssaldo von 196 Menschen.

„Dieser Trend ist eindeutig und er ist gleichzeitig auch ein unverkennbares Indiz, dass sich vor allem Menschen im erwerbsfähigen Alter und Familien in unserem Landkreis niederlassen“, freut sich Elster. Der Hauptgrund seien die Arbeitsplätze. „Unsere Unternehmen sind für Zuwanderer attraktiv“, resümiert der Landrat.

Allerdings wird der Wanderungsüberschuss durch das hohe Geburtendefizit weiterhin mehr als aufgezehrt. So starben im vorigen Jahr kreisweit 602 mehr Menschen als geboren wurden. Als Folge ist 2010 die Bevölkerungszahl im Landkreis um insgesamt 406 Menschen gesunken – auf nunmehr rund 94 000.

Das schon seit den 1960er Jahren bestehende Geburtendefizit sei schwer aufzuhalten, lautet Elsters Fazit. Gegensteuern könne der Landkreis nur mit einer stärkeren Zuwanderung durch die Schaffung neuer Jobs und die Ansiedlung weiterer Unternehmen. „Unsere demografische Entwicklung ist eindeutig Arbeitsplatz-gesteuert. In diesem Zusammenhang spielt der Bau der A 39 eine ganz wichtige Rolle“, betont der Landrat.

Von Bernd Schossadowski

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