Wenn heute Abend die Rathauskreuzung zum Treffpunkt für Fußball-Fans wird, ist die Polizei dabei

Korso unter Kontrolle

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Uelzen. Während sich die Deutsche Fußball-National-Elf gerade auf das Spiel gegen die Niederlande vorbereitet, treffen die Polizeibeamten in Uelzen ebenfalls vorsorgliche Maßnahmen – denn seitdem die deutsche Mannschaft 1990 die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen hat, ist eines so sicher wie das Duschen nach dem Abpfiff:

Auf der Kreuzung vor dem alten Uelzener Rathaus feiern die Fans, was das Zeug hält. Und die Uelzener Ordnungshüter achten darauf, dass sich die Begeisterung auch im sicheren Rahmen hält.

„1990 war das erste Mal, dass sich alle in der Stadt getroffen haben“, erinnert sich Ralf Munstermann, Leiter des Streifendienstes bei der Polizei Uelzen. Danach flachte die Euphorie kurzzeitig ab, kochte zur WM 2006 – die als „Sommermärchen“ in die deutsche Fußball-Geschichte einging – dann aber wieder hoch.

„Da waren wir auf alles vorbereitet, auf Revolten und alles“, schmunzelt Munstermann rückblickend. Grundsätzlich aber betont er: „Bislang ist es hier immer friedlich abgegangen.“ Und das gilt bis heute.

Seit dem Sommermärchen wissen die Uelzener Polizisten: Die Leute gehen auch schon in den Vorrunden auf die Straße. Bedeutet für Munstermann und seine Mannen: Sie waren am vergangenen Sonnabend nach der Partie Deutschland/Portugal auf eine Feier am alten Rathaus eingestellt und werden es auch heute sein, nach dem Spiel gegen die Niederlande. „Die Rathauskreuzung lässt sich leicht absperren“, sieht der Einsatzleiter dem Abend gelassen entgegen. Die Stadt stellt Absperrmaterial für den Wochenmarkt zur Verfügung, so dass der Autoverkehr vom feiernden Fußgängervolk getrennt werden kann.

Bilder vom Gelände der Jabelmannhalle in Uelzen

Am Mittwoch schlagen wir Holland

Denn genau da liegt der Hase im Pfeffer, weiß der Polizeihauptkommissar. Treffen beide Gruppen nämlich aufeinander, wird es unruhig: Die einen meinen vom jeweils anderen, dass er im Weg stünde und schon hagele es Anzeigen. Zum Beispiel wegen Sachbeschädigungen, weil Autos zerbeult werden. Auch vor Streifenwagen machten Flaschenwerfer einmal keinen Halt, weiß Munstermann. Deswegen werden die Uelzener Beamten vor allem ein Augenmerk auf Rowdys an diesem Abend haben.

Munstermann appelliert nicht nur an die Friedfertigkeit der Feiernden, sondern auch an deren Gewissen. „Auf Glasflaschen sollte man verzichten“, mahnt er, denn herumliegende Scherben seien für Mensch und Tier gleichermaßen gefährlich. Außerdem sollte man Betrunkenen aus dem Weg gehen und sich grundsätzlich nicht provozieren lassen, damit auch wirklich friedlich gefeiert werden kann.

Diebstähle oder schwerwiegende Delikte habe man in der Vergangenheit bisher noch nicht gehabt, so der Leiter des Streifendienstes. „Hupen und Gegröle, Menschen auf den Autos oder mal eine Ampel, die schon rot war – das wird alles geduldet“, sagt Munstermann wohlwollend, „wenn dann aber Kinder auf der Motorhaube sitzen, dann greifen wir natürlich ein.“ Grundsätzlich gilt: Ein Autokorso stelle „ein gefährliches Moment“ dar, darüber müsse man sich bewusst sein. Ansonsten werde die Polizei „in diesem Hort der Unordnung und Ordnungswidrigkeiten“, wie der Polizeihauptkommissar es augenzwinkernd formuliert, den Verkehr regeln und für einen friedlichen Ablauf sorgen.

Wenn dann die Feier vorbei ist, beginnt für die Arbeiter der betrieblichen Dienste der Stadt Uelzen erfahrungsgemäß eine Nachtschicht: Scherben einsammeln und Müllwegfegen sind angesagt. „Wir rufen die Mitarbeiter an, wenn alles vorbei ist, und die rücken dann nachts noch aus“, so Munstermann, „das funktioniert exzellent.“ Obwohl es natürlich noch exzellenter wäre, wenn jeder seinen Müll am Ende wieder mitnehmen würde...

Von Ines Bräutigam

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