Koordiniertes Nerven in Hannover

Diskutierten beim Bürgerfrühstück über die Notwendigkeit der Ortsumgehung für Kirchweyhe (von links): BI-Sprecher Hans-Jürgen Chlechowitz und die Landratskandidaten Rainer Fabel (FDP), Heiko Blume (CDU) und Jürgen Krumböhmer (SPD). Foto: Köhler-Götze

Uelzen-Kirchweyhe. Seit 14 Jahren gibt es eine Bürgerinitiative für eine Ortsumgehung Kirchweyhe (BI) und auch die ist damals nur gegründet worden, weil die Kirchweyher Bürger seit 32 Jahren eine Ortsumgehung fordern und nicht bekamen.

Kräfte bündeln, hieß damals die Devise und die BI hat durchaus einiges erreicht, wie BI-Sprecher Hans-Jürgen Chlechowitz drei der vier Landratskandidaten am Sonnabend beim Bürgerfrühstück in Kirchweyhe erinnerte.

Rainer Fabel (FDP), Heiko Blume (CDU) und Jürgen Krumböhmer (SPD) standen vor Plakatwänden, die mit zahllosen Unfallbildern, Verkehrsstatistiken und Presseartikeln die Geschichte des Kampfes um die Ortsumgehung dokumentierten, den Kirchweyhern Rede und Antwort. Lediglich die Grünen hatten ihre Teilnahme wegen Terminschwierigkeiten abgesagt.

Die von der Stadt Uelzen mit 200 000 Euro vorfinanzierten Planungsarbeiten für die Umgehung sind längst abgeschlossen – „wir zahlen seitdem die Zinsen dafür“, sagte Bürgermeister Otto Lukat. Die Grundstücksfragen seien geregelt, auf der Prioritätenliste stehe die Umgehung auf Platz zwei. „Aber das nützt uns gar nichts, wenn sie nicht gebaut wird“, betonte Chlechowitz. Zuletzt hatte man im vergangenen September bei Verkehrsminister Jörg Bode in Hannover erfahren müssen, dass wegen des Konjunkturprogramms kein Geld für den Bau der Straße da sei.

„Seit ich hören kann, höre ich, dass kein Geld da sei“, kommentierte das Bodes Parteifreund Fabel und befand, die Kirchweyher hätten längst ihre Umgehung, wenn der Minister ernsthaft dahinter stünde. Stattdessen war der Bau der B 212 vom Hunsrück bis an die Landesgrenze Bremen vorgezogen worden, obwohl dort das Planfeststellungsverfahren nicht abgeschlossen war. Und die Ith-Querung zwischen Holzminden und Hannover stand noch nicht einmal auf der Prioritätenliste und werde dennoch gebaut.

„Man möchte nicht dabei sein, wenn Gesetze oder Wurst gemacht werden“, sagte Blume und warnte, der Prozess werde „bis zum Schluss nicht völlig transparent“ sein. Auch Krumböhmer ist sich sicher, dass „es nur zum Teil nach objektiven Kriterien geht“ und erinnerte an Umweltminister Sanders Besuch am Elbdeich: „Da standen binnen 14 Tagen vier Millionen Euro zur Verfügung.“ Dass es in Kirchweyhe nicht vorangehe, liege auch daran, „dass die Region lange Jahre ministerfreie Zone war“. Ob einem das gefalle oder nicht, wenn man Ergebnisse haben wolle, dann „trifft man sich mit Politikern in irgendeiner mauscheligen Runde“, eine Erfahrung, die auch Fabel gemacht hat: „Bei Gesprächen im Hintergrund soll es auf ein Bier nicht ankommen, das kann auch morgens um drei sein.“ Seine Devise: „Netzwerken und alle 14 Tage nerven.“ Krumböhmer riet, sich auf die starken Minister in Hannover zu konzentrieren, namentlich auf Bildungsminister Althusmann.

Alle drei Kandidaten wollen nun in einer abgestimmten Aktion unter Federführung der Stadt Uelzen – „schließlich geht es da auch um unsere Planungskosten, die wir erst wiederkriegen, wenn gebaut wird“, so Lukat – in Hannover Klinken putzen.

Von Jürgen Köhler-Götze

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