Landkreis Uelzen kann bei Zuwanderung von Flüchtlingen nicht alles Wünschenswerte realisieren

Konzentration aufs Notwendigste

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Bei der Ankunft von Flüchtlingen im Uelzener Hundertwasser-Bahnhof gilt es zunächst einmal, das Dringendste anzubieten und zu erledigen.

Uelzen. Die meisten von ihnen kommen aus Montenegro, Serbien, Syrien und von der Elfenbeinküste.

In Uelzen suchen sie Schutz vor Krieg, Armut und Verfolgung: 756 Asylbewerber leben derzeit im Kreisgebiet – und die Zahlen steigen weiterhin, weiß Sozialamtsleiter Werner Marienfeld. „Es geht so rasant schnell, dass man sehen muss: Wie kommt man mit dem Notwendigsten hinterher?“

Mit diesen Worten trifft Marienfeld den empfindlichen Kern dessen, was die Uelzener Politik im jüngsten Ausschuss für Generationenfragen, Integration und Soziales umtrieb: Die Frage nämlich, welche Maßnahmen nach der Ankunft überhaupt noch möglich sind.

Denn fest steht: Nicht alles, was gewünscht wird, ist auch realisierbar. Eine Adressenliste von Ansprechpartnern auf der Uelzener Homepage vermisste etwa Ausschussvorsitzende Karin Mühlenberg (SPD-UWG-Gruppe). Werner Marienfeld aber stellte klar: „Es gibt wichtigere Projekte, die vorweg zu tun sind.“ Dennoch befinde sich ein Wegweiser für Neuankömmlinge in Planung. Das Werk mit Stadt- und Landkreiskarte und übersichtlichen Piktogrammen umfasse Texte in fünf bis sechs Sprachen.

Eine „Verbraucherberatung“ für Flüchtlinge brachte zudem Birgit Ohrenschall-Reinhardt (CDU-Grüne-Gruppe) ins Gespräch. „Ich habe ein bisschen Sorge, dass sie vom einen oder anderen über den Tisch gezogen werden“, sagte sie. Doch auch dieses Thema steht nicht ganz oben auf der Dringlichkeitsliste in Kreis- und Rathaus.

Drei wesentliche „Baustellen“ machte Uelzens Erster Stadtrat Dr. Florian Ebeling für die Stadtverwaltung aus: die Ankünfte von Flüchtlingszügen am Bahnhof, die Hilfe bei der Koordinierung ehrenamtlicher Helfer und die Suche nach Wohnraum. Letztere laufe auf Hochtouren, bestätigte Ordnungsamtschef Volker Leddin. „Darüber hinaus denken wir natürlich auch über weitere Sammelunterkünfte nach.“ Eine entsteht, wie berichtet, derzeit an der Uelzener Nothmannstraße. Die Türen der neuen Gemeinschaftsunterkunft stehen, wie berichtet, am Donnerstag, 1. Oktober, in der Zeit von 17 bis 19 Uhr zur Besichtigung offen.

300 Asylbewerber leben derzeit in der Stadt Uelzen, 283 in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, 72 Personen zählt die Samtgemeinde Aue, 37 Rosche, 40 Suderburg. In der Gemeinde Bienenbüttel haben 23 Asylbewerber Unterkunft gefunden. „Fakt ist, dass viele Leute bei uns bleiben werden“, sagte Jan Henner Putzier (SPD/UWG-Gruppe). Die Frage sei also, wie der Prozess der Integration gefördert werden könne.

Dass bereits eine ganze Menge an Projekten angeschoben werde, betonte Marienfeld. Um das Wissen von Migranten über Gesundheit und die Nutzung des deutschen Gesundheitsdienstes zu verbessern, komme etwa das Projekt „MiMi – Mit Migranten für Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Deutschland“ ins Spiel. Das Gesundheitsprojekt, das bilinguale Migranten mobilisiert und in die Lage versetzt, in ihrer jeweiligen Muttersprache Informations- und Aufklärungsveranstaltungen zu Themen der Gesundheit durchzuführen, wird am Mittwoch, 30. September, um 17 Uhr erstmals öffentlich im Herzog-Ernst-Gymnasium vorgestellt.

Von Anna Petersen

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