Baudezernat schwört Uelzener auf Bau- und Abrissphasen in der Innenstadt ein

„Es kommt jetzt auf uns alle an“

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Uelzen. Wie und wo fließt der Verkehr in Uelzen, wenn die Greyerbrücke gesperrt ist? Dieser zentralen Frage war eine Bürgerinformation am Donnerstagabend gewidmet, zu der Baudezernent Karsten Scheele-Krogull und Bernd Behn, Leiter der Verkehrswegeplanung, mit einem bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Konzept aufwarteten.

Rund 100 Bürger waren in den Ratssaal gekommen, um sich über den Abriss der Greyerbrücke, Umleitungen, damit zusammenhängende Beeinträchtigungen und die durch den Bau des Marktcenters entfallenden Parkplätze am Kreishaus zu informieren.

Gleich mehrere Probleme zu lösen hatte die Stadt im Zusammenhang mit dem Abriss der Greyerbrücke, die am 13. August komplett gesperrt und am 24. September abgerissen wird: So fällt diese Vollsperrung mit dem Bau des Veerßer Bogens zusammen – hierfür wird die B 71 zwischen Veerßen und Hansen für zweimal zwei Wochen wegen des Baus einer Behelfsbrücke gesperrt. Außerdem ist noch die K 9 in der Ortsdurchfahrt Suderburg gesperrt, die beiden Kreisverkehre Veerßer Straße/Greyerstraße und Greyerstraße/Königsberg müssen gebaut werden, das Marktcenter wird entstehen – mit ihm entfallen rund 400 Parkplätze –, und auch der Abbruch der Gebäude an der Schuhstraße sowie die Bebauung der Flächen von Wilgrü und Tep & Tap fallen in diese Zeit. Nicht zuletzt sollen noch die Marktstraßen umgestaltet werden.

„Das alles“, beruhigte Scheele-Krogull, „ist aber hinnehmbar, wenn man weiß, was uns erwartet.“ Schließlich würden besagte Maßnahmen die Uhlenköperstadt massiv voranbringen und für die Zukunft ausrichten. „Es wird sich lohnen“, versprach der Baudezernent. Und die Stadt, die das Verkehrskonzept unter anderem mit Polizei und Landesstraßenbaubehörde erarbeitet hat, sei darauf angewiesen, dass auch die Uelzener Bürger mitspielten, appellierte Bernd Behn. Denn während der einjährigen Brückensperrung, die voraussichtlich bis zum 21. September 2013 andauern wird, werden diverse Verkehrsregelungen geändert.

Klar, jeder werde sich im Laufe der Zeit auch seine ganz persönlichen „Umleitungen“ suchen. Dennoch gibt das Verkehrskonzept, wie berichtet, eine westliche und eine östliche Umfahrung für das Stadtgebiet vor. Bereits an der Autobahnabfahrt Soltau werden Verkehrsteilnehmer auf die Sperrung in Uelzen hingewiesen – mit der Empfehlung, weiträumig auszuweichen. Auch in Dannenberg und Salzwedel wird es solche Hinweissschilder geben.

Die Auswirkungen der Baumaßnahmen und Sperrungen im Stadtgebiet selbst werden sich vor allem im inneren Stadtring zeigen, prognostizieren die Planer, gerade auf der Achse Gudesstraße-Hammersteinplatz-Groß Liederner Straße werden sich wohl Staus bilden. Bernd Behn: „Da droht der Kollaps.“ Der innerstädtische Verkehr wird daher auch westlich und östlich am Zentrum vorbeigeführt (AZ berichtete). Besonderheiten: An der Albrecht-Thaer-Straße gilt eine abknickende Vorfahrt zur Sternstraße; die Nothmannstraße wird zur Einbahnstraße, der rechte Fußweg an der Sternstraße stadtauswärts wird für Radfahrer freigegeben. Sorge eines Anliegers der Nothmannstraße: Durch den einseitigen Verkehr werde bestimmt zu schnell gefahren. Karsten Scheele-Krogull sagte zu, dass man diese Problematik im Blick haben und gegebenenfalls darauf reagieren werde.

Die mehrmalige Frage eines Uelzeners, warum denn für die Greyerbrücke keine Behelfsbrücke gebaut werde, klärte der Baudezernent ebenfalls: „Die Möglichkeit hätte zwar bestanden, aber dann hätte sich die Bauzeit um ein Jahr auf zwei Jahre verlängert.“ Im Übrigen habe sich der Stadtrat für die Vollsperrung ausgesprochen.

Auf den Dezernenten und seinen Kollegen prasselten eine Reihe von Fragen und Hinweisen nieder, in denen es unter anderem um eine Gefährdung der Holdenstedter Grundschüler durch die Umleitungsstrecke ging, um das Entfernen der Blumenkübel in den Marktstraßen während der Brückensperrung, die problematische Zufahrt und Parksituation am Theater, eine verkürzte Umleitung – nämlich die gen Osten direkt von Holdenstedt nach Hansen – oder auch die anzuzweifelnde Tragfähigkeit der Marktstraßen, den vor Jahren angedachten, aber bis heute nie umgesetzten Bau eines Parkhauses am Hammersteinplatz und sogar fehlende Laternen am Radweg zwischen Veerßen und Holdenstedt.

Karsten Scheele-Krogull und Bernd Behn setzten sich mit jedem Anliegen auseinander und versprachen, wo es möglich ist, Nachbesserungen zu prüfen. Aber auch das Parkkonzept für den Wegfall der Stellflächen am Kreishaus fand am Donnerstagabend mehr Skeptiker als Befürworter. Alternativflächen am Albrecht-Thaer-Gelände, an der Esterholzer Straße und an der Ringstraße/Brauerstraße (dann kostenfrei!) hätten den Makel, dass sie wenig zentral lägen. Eine Besucherin brachte es für sich so auf den Punkt: Das gesamte Konzept führe nur dazu, dass dem Bürger Mehrkosten entstünden – weil man nämlich Umwege fahren oder den Bus nehmen müsse.

Ein anderer Bürger sah das anders: „Dieses ganze Gerede ist unserer eigenen Bequemlichkeit geschuldet“, sagte er. Man könne durchaus auch mal den Bus nehmen. „Wir haben hier einen Luxusverkehr.“ Und Baudezernent Scheele-Krogull befand: „Wir haben in Uelzen kein Parkplatzproblem.“ Denn regelmäßig seien nach städtischen Erkenntnissen nur etwa 60 Prozent der kostenpflichtigen Stellflächen belegt. Und man müsse auch bereit sein, mal ein paar Schritte zu gehen. In anderen Kommunen sei das schließlich auch möglich. „Es kommt jetzt auf uns alle an“, schwor er die Uelzener auf die bevorstehende Situation ein.

Von Ines Bräutigam

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