Von Woche zu Woche

Ein Betonbunker voller Beliebigkeit

Es war ein langer, intensiver Diskussionsprozess. Kein Wunder, war der Begriff „Marktcenter“ bei der Planung doch mit großen Erwartungen verbunden.

Der Einkaufstempel am südlichen Stadteingang sollte nicht nur Käufer aus dem Kreis Uelzen, sondern auch aus benachbarten Landkreisen in die Uhlenköperstadt ziehen. Dazu brauchte man ein Zugpferd und das sollte ein Elektromarkt sein. So war es politischer Wille, so schrieb es die Stadtverwaltung aus. Was folgten, waren ein langer Auswahlprozess, Proteste aus der Branche. Und jetzt zeichnet sich ab, man muss es leider sagen, dass die Zweifler offenbar recht haben. Denn das Uelzener Marktcenter wird wohl kein Besuchermagnet mit einem Großen der Elektronik-Branche, der die Massen zieht. Der letzte Verhandlungspartner hat abgesagt. Und das neue Einkaufszentrum wird ein Betonbunker voller Beliebigkeit. Ein Supermarkt, ein Discounter, eine Drogerie, der obligatorische Bäcker... Dieses „Nullachtfünfzehn-Angebot“ gibt es an jeder Ecke und es wird nicht einmal die Einwohner der nördlichen oder östlichen Uelzener Ortsteile zum Marktcenter locken – geschweige denn Kundschaft von außerhalb.

Uelzen steht mit dieser Zusammensetzung der Geschäfte vor einem Trümmerhaufen seiner Stadtentwicklungspolitik. Als „richtungsweisend“ hatten Verwaltung und Kommunalpolitik das Projekt in seiner Entstehungsphase gepriesen – jetzt kann man nur noch hoffen, dass es das nicht wirklich ist. Und natürlich stellt sich die Frage, wie es zu diesem Debakel kommen konnte. Denn seit der Entscheidung für den Investor namens HBB kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Verwaltung am Nasenring durch die Arena geführt wird. Erst waren angeblich hohe Baustoffpreise schuld, dass mit dem Bau des Marktcenters einfach nicht begonnen wurde. Dann beteuerte HBB, mit Media-Markt zu verhandeln, während der Elektroriese gegenüber der AZ längst erklärt hatte, das Thema Uelzen sei für ihn erledigt. Im Rathaus aber nickte man artig zu jeder Ansage, die vom Investor kam – wie das Kaninchen vor der Schlange.

Jetzt muss man diese Naivität womöglich bitter bezahlen. Der Stadtrat kann nur noch abnicken, dass HBB nach Belieben entscheidet, wer in den Betonbau einzieht, schließlich wären Leerstände die Alternative. Und das Marktcenter am Veerßer Tor wird die Uelzener auch in Jahrzehnten noch daran erinnern, wie das ausgebuffte Management einer international agierenden Projektgesellschaft eine Provinzverwaltung so richtig abgekocht hat.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

Kommentare