Kommentar zur Kommunalwahl

Die Uelzener schauten genau hin

Kommunalwahlen haben ihre eigenen Gesetze. In Stadt und Kreis Uelzen hat sich gestern diese Erkenntnis einmal mehr bestätigt.

AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff

Sicher, bundes- und landespolitische Entwicklungen bleiben nicht ohne Einfluss beim Gang zur Wahlurne; die Ergebnisse der AfD im Kreistag und in der Samtgemeine Bevensen-Ebstorf sind ein Beleg dafür. Denn ein Wahlprogramm konnte die Alternative für Deutschland im Landkreis Uelzen nicht vorlegen. Die AfD dürfte somit einmal mehr das Ventil für Unzufriedenheit von Bürgern mit der etablierten Politik sein. Doch die übergroße Mehrheit der Wähler im Kreis Uelzen schaut ganz genau auf die regionalen Aspekte. Und da spielen auch die Wählergemeinschaften vor Ort eine Rolle. Am besten wird dies durch die Wählergemeinschaft „Keine A 39“ symbolisiert, die ihre Stammwählerschaft in ihrer Keimzelle, nämlich im Nordkreis hat. Im restlichen Landkreis sind die Autobahngegner entweder unter der Wahrnehmungsgrenze, oder aber den Wählern reichte es nicht, sich bei der Entscheidung für kommunalpolitische Vertreter nur auf ein einziges Thema zu beschränken.

Jede Kommune, Ortschaft oder Samtgemeinde hatte ihre ganz speziellen Themen und die Bürger schauten bei ihrer Entscheidung ganz genau hin, welcher Kommunalpolitiker welche Meinung etwa zu Schulschließungen, neuen Baugebieten oder Straßensanierungen vertrat. Die Ergebnisse von Wählergemeinschaften wie die UWG oder WIR für Uelzen symbolisieren dieses genaue Hinsehen. Für die komunale Politik muss das bedeuten, bei den Entscheidungen für die Zukunft und zur Stärkung unserer Region noch mehr auf die Sachentscheidungen zu schauen und ideologisch verbrämte Hürden zu überwinden.

Doch der Verlauf des gestrigen Wahltages wirft auch die Frage auf, ob das Prozedere in dieser Form tatsächlich noch zeitgemäß ist. Der Versuch, größtmögliche Gerechtigkeit zu schaffen, hat ein Konstrukt von bis zu neun Stimmen geschaffen, die jeder Wähler abgeben kann. Das schreckt eher ab als dass es dazu ermuntert, das Wahlrecht auch auszuüben. Die Schlangen vor den Wahlkabinen sprechen da eine deutliche Sprache: Manchmal kann auch weniger mehr sein.

Von Thomas Mitzlaff

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