Von Woche zu Woche

Kommentar: Ein Eigentor nach dem anderen

Wer als neutraler Beobachter glaubt, in Wahlkämpfen schon alle politischen Winkelzüge, aber auch Tritte der Kandidaten in Fettnäpfchen erlebt zu haben, den belehrt die aktuelle Entwicklung in Bad Bodenteich eines Besseren.

Bernd Schossadowski

Was sich Teile der Kommunalpolitik dort geleistet haben, spottet jeder Beschreibung und kann nur noch als Posse bezeichnet werden. Da ist zum Beispiel der CDU-Ortsverbands-Vorsitzende und stellvertretende Fleckenbürgermeister Werner Schulz. Der Schafwedeler hat am Mittwochabend eigenmächtig ein SPD-Wahlplakat von einem Laternenmast entfernt, weil er der Meinung war, dass dieses dort verbotenerweise hing. Die Tat ist unstrittig. Schulz hat sie gegenüber der AZ offen zugegeben und dabei keinerlei Unrechtsbewusstsein gezeigt. Von einer juristischen Bewertung einmal abgesehen, offenbart der Sabotage-Akt eine – vorsichtig ausgedrückt – merkwürdige Vorstellung demokratischer Gepflogenheiten und des Umgangs mit politischen Gegnern. Über das Motiv des CDU-Politikers kann man nur den Kopf schütteln, ganz zu schweigen über die Tat selbst.

Doch es ist nicht das einzige Eigentor, das Bad Bodenteicher Politiker in diesen Tagen geschossen haben. Mächtig Staub aufgewirbelt hat auch die Farce um die Einberufung des Rates. Etwa fünf Monate lang hatte das Gremium nicht mehr öffentlich getagt, doch zu einer letzten Sitzung vor der Kommunalwahl sah Bürgermeister Edgar Staßar (CDU) keinen Anlass. Erst auf Drängen der SPD-GFW-Gruppe wurde schließlich für den 31. August eine Ratssitzung angesetzt – leider eine nichtöffentliche.

Das ärgert nicht nur die Opposition im Rat, sondern auch viele Bürger, die gerne in einer öffentlichen Sitzung Fragen gestellt und über aktuelle Themen im Flecken, zum Beispiel die Zukunft des Schützenhauses, informiert worden wären.

Doch dann folgte die Rolle rückwärts. Nachdem SPD und GFW die Kommunalaufsicht eingeschaltet hatten, wurde eine einminütige nichtöffentliche Ratssitzung – aber ohne Debatte über das Schützenhaus – abgehalten. Dass dafür 240 Euro Sitzungsgelder verschwendet wurden, setzt dem Ganzen die Krone auf. Wenigstens tagt der Rat am 8. September noch einmal öffentlich. Fazit des ganzen Hickhacks: Teile der Bodenteicher Politik haben ein denkbar schlechtes Bild abgegeben – und das so kurz vor der Kommunalwahl. Die wachsende Politikverdrossenheit der Bürger kommt nicht von ungefähr.

Von Bernd Schossadowski

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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