Von Woche zu Woche

Seelischer Frühjahrsputz

Treffen mit Freunden, Spaziergänge im Freien, die ersten Sonnenstrahlen, Osterfeuer. Entspannt ist die Osterzeit. Gut so.

Kai Hasse

In dem „Gut so“ ist auch die Erleichterung drin, dass die Osterzeit noch nicht als Massen-, Medien- und Wirtschaftsereignis entdeckt wurde. Zumindest, wenn man sie einmal vergleicht mit dem als besonders wichtig empfundenen Weihnachtsfest. Der Vergleich drängt sich etwas auf, gerade weil die beiden Feste so unterschiedlich empfunden werden, aber ihren Ursprung in der Religion haben, wenn auch mit unterschiedlicher religiöser Bedeutung: Das Weihnachtsfest ist streng genommen „nur“ die Geburt Christi. Theologisch bedeutsam ist das allein nicht – auch wenn die Geburt Christi, zugegeben, die biologische „Grundvoraussetzung“ des Christentums ist.

Dennoch wird gerade Weihnachten mit großen Erwartungen verbunden. Perfekt soll das Fest sein: der Braten kross und saftig, die Familie harmonisch, die Geschenke ersehnt. Schneien soll es, und ohne Glühwein und Lebkuchen geht es nicht. Das ist erstens Stress für all die, die diese Erwartungen zu erfüllen versuchen. Zweitens entgleitet der Stress um Geschenke, Weihnachtsgeschäft und Schmuck in einen banalen Hokuspokus. Kommerz vergällt da mitunter das Fest.

Und nun Ostern. Man könnte böse munkeln, dass zum Glück kaum einer gemerkt hat, dass Ostern das eigentlich wichtigere Fest ist. So bleibt es (pardon wegen des Vergleichs) schön wie ein noch unentdecktes Naturparadies, das nicht überflutet wird von Besuchern und Souvenir-Verkäufern. Ostern – also das Sterben Jesu für die Sünden der Menschen und seine Auferstehung – ist der eigentliche Kern des Christentums.

Wem die Religion egal ist – dies ist ein freies Land. Wer aber auf christliche Werte baut – auf denen die humanistischen Werte basieren – und findet, dass er ein Recht auf freie Feier- und Sonntage hat, sollte den Ursprung des Festes nicht ganz vergessen.

Und schön, dass es zu Ostern mit weniger Kitsch, Nascherei, dem Anspruch auf unbedingte Hamonie und ohne nervtötende Ohrwürmer aus den 80er-Jahren geht. Ostern ist so, wie Weihnachten vielleicht hätte sein können: fröhlich, familiär, würdig. Zusammen mit dem Erwachen der Natur und dem spektakulären Brauch des Osterfeuers wird Ostern somit, etwas provokant gesagt, zu einer Art seelischem Frühjahrsputz. Gut so.

kai.hasse@az-online.de

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