Von Woche zu Woche

Uns fehlen die Worte

„Uns, die wir täglich mit Worten umgehen, fehlen die Worte. Uns, die wir das Sprachrohr dieser Stadt sind, hat es die Sprache verschlagen. Wir können unseren Schmerz und unsere Betroffenheit nicht in Worte fassen. Wir sind fassungslos.“

Diese Sätze schreiben die Kollegen der Halterner Zeitung in einer ganzseitigen Todesanzeige am Tag nach der Flugzeug-Katastrophe.

Nachdrücklicher hätte man kaum formulieren können, welche Dimension der Absturz der Germanwings-Maschine vom Dienstag für jeden einzelnen von uns hat. Sei es privat oder beruflich. Die Aufgabe von Presse ist es, gerade bei Katastrophen dieser Dimension, das Unfassbare begreifbar zu machen oder das zumindest zu versuchen – doch irgendwann stößt man dabei an Grenzen. Denn was sich am Dienstagvormittag in den französischen Alpen abgespielt hat, das ist tatsächlich mit Worten kaum noch zu vermitteln. Dass der Co-Pilot offenbar absichtlich 150 Menschenleben ausgelöscht hat. Wie sollen die Angehörigen jemals verkraften, dass es nicht Schicksal war, sondern dass sie einen geliebten Menschen verloren haben, weil jemand anders das so wollte? Dafür gibt es keine Worte.

Eine Tageszeitung ist täglich voll mit Meldungen von Katastrophen, politischen Entscheidungsprozessen, den kleinen Skandalen vor Ort. Aber, so schreiben die Halterner Kollegen, „dieses fürchterliche Unglück verändert alles“. Und das trifft zu, das spürt jeder Journalist in seinem beruflichen und privaten Umfeld. Dinge, die bis Dienstag eine große Bedeutung hatten, wirken plötzlich banal. Die Menschen rücken näher zusammen und auch in den Tageszeitungs-Redaktionen stellt man sich seit vier Tagen die Frage, was denn eigentlich eine Schlagzeile wert ist, was wirklich wichtig und berichtenswert ist.

Ein ganzes Land steht unter Schock. Der Umgang miteinander ist ein anderer in diesen Tagen. Wirklichen Trost kann es nicht geben. Aber vielleicht zumindest die Erkenntnis, dass man sich auf die wirklichen Dinge des Lebens konzentrieren sollte. „Wir wünschen den betroffenen Familien Kraft für die nächsten Stunden, Tage und Wochen. Wir sind unsagbar traurig. Verlag und Redaktion der Halterner Zeitung“ – mehr muss man eigentlich nicht schreiben.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller, Steffen

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