Wegzieh-Trend gestoppt: Seit drei Jahren kommen mehr Menschen als abwandern

Komm, wir gehen nach Uelzen!

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dpa

Die Stadt Uelzen blutet aus, immer mehr Menschen kehren ihr den Rücken – „das ist ein gefühlter Trend hier bei uns, aber er ist falsch“, sagt Erster Stadtrat Jürgen Markwardt.

Monatelang hat die Stadtverwaltung Statistiken ausgewertet, Zahlen erhoben – und das Ergebnis ist erstaunlich: „Bei uns ziehen mehr Menschen zu als weg und gerade die für den Arbeitsmarkt wichtige Gruppe der jungen Erwachsenen erfährt deutliche Zuwächse“, bilanziert Markwardt. In den Jahren 2005 bis 2008 habe es noch mehr Ab- als Zuzüge gegeben, „aber in den Jahren 2009 und 2010 hat sich dieser Trend umgekehrt“, so der Erste Kreisrat. Zwar verließen viele junge Menschen nach Abschluss der Schule ihre Heimatstadt, doch das Plus bei den Neu-Uelzenern zwischen 30 und 40 Jahren gleiche das nicht nur aus, sondern sorge sogar für eine positive Summe.

Am Montagabend stellte die Verwaltung im Rathaus die Ergebnisse einer Studie über die „Stadt Uelzen im demografischen Wandel“ vor. Demnach lag die Einwohnerzahl seit 1987 immer um die 35 000. „Es hat sich da nichts großartig verändert. Die Stadt ist im Gegensatz zum Kreis aber auch kein Gewinner der deutschen Vereinigung“, erläutert Markwardt.

Es gebe gute Gründe nach Uelzen zu ziehen – und das würden auch immer mehr Menschen erkennen. „Man kann in Uelzen sehr gut leben und alt werden“, weiß der Erste Kreisrat mit Hinweis auf die Statistik: Die Stadt habe eine sehr gute Versorgung auf dem Lebensmittelsektor und das Angebot an Ärzten sei vorzüglich. Fast 100 Praxen gibt es im unmittelbaren Einzugsgebiet der Kernstadt.

Dass die Bevölkerungszahl dennoch langsam abnimmt, liege an den überproportional vielen Sterbefällen. Denn in Uelzen leben deutlich mehr Senioren als in anderen Städten, die Geburtenzahlen können die Zahl der Sterbefälle nicht auffangen.

Jürgen Markwardt wagt auch eine vorsichtige Prognose für die Zukunft: „Stadt und Landkreis werden garantiert an Einwohnern verlieren. Aber im Vergleich zum Kreis hat Uelzen eine sehr große Chance, nicht so sehr abzuschmelzen.“ Während man dem Landkreis einen Bevölkerungsrückgang von 95 000 Einwohnern auf 75 000 bis zum Jahr 2030 prognostiziere, könne die Stadt diese Entwicklung durch eine gute Infrastruktur abfedern.

Aber eines weiß auch der Erste Kreisrat: „Uelzen hat eindeutig ein Imageproblem. Es gibt hier so viele tolle Dinge, wir nehmen das gar nicht mehr so wahr.“ Wenn es gelinge, dass die Menschen positiver über ihre eigene Stadt denken, „dann können wir auch das Image ändern. Und das ist dringend notwendig für die Zukunft.“

Von Thomas Mitzlaff

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