IHK-Experte aus Bochum spricht in Uelzen zu Ilmenau-Projekt und Chancen des Einzelhandels

Der See könnte Uelzens DNA sein

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Stefan Postert zeigte den Uelzenern Möglichkeiten für die Entwicklung ihrer Stadt auf – letztendlich müssten sie selbst aus seinen Impulsen das Machbare ableiten. Ein chancenreiches Projekt könnte die Umgestaltung des Herzogenplatzes mit dem Ilmenausee sein.

Uelzen. Eine Genuss-Veranstaltung unter dem Motto „Uelzen kulinarisch“ auf einem neu gestalteten Herzogenplatz. Bekleidungsgeschäfte, die Mode-Tempel und hochwertige Buchhandlung in einem sind.

Oder ganze Straßenzüge, die – wie zum Beispiel in Bad Münstereifel oder Dülmen – im Herzen der Stadt ein bei den Kunden so begehrtes Factory-Outlet im Kleinen bilden. – In atemberaubender Geschwindigkeit, dabei humorvoll, kreativ und kurzweilig, gab Stefan Postert mehr als 70 Bürgern sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung am Donnerstagabend im Uelzener Rathaus im Sekundentakt Impulse dafür, wie ihre Stadt sich für die Zukunft aufstellen könnte.

Stefan Postert: Der Stadtentwicklungs- und Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bochum war auf Einladung seiner Kollegen aus Lüneburg und des Vereins „Ilmenaustadt Uelzen“ gekommen.

Der Stadtentwicklungs- und Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bochum war auf Einladung seiner Kollegen aus Lüneburg und des Vereins „Ilmenaustadt Uelzen“ gekommen. Hinlänglich bekannte Probleme mit dem Online-Handel, immer wieder beklagte Entwicklungen des digitalen Zeitalters, die dem stationären Handel das Leben schwer machen, kommentiert Postert ganz pragmatisch: „Das Leben hat nun mal keinen Rückwärtsgang.“ Man müsse sich von tradierten Werten und Denkmustern lösen, rät er. Denn schon Konfuzius habe gesagt: „Du kannst den Hahn zwar einsperren, aber die Sonne geht trotzdem auf.“ Was im Klartext bedeutet: Der Einzelhandel kann und darf sich den Entwicklungen nicht verschließen – sonst finden sie nämlich ohne ihn statt.

Was also tun? Neue und moderne Betriebsformen, wie die eingangs genannten, zu integrieren, empfiehlt der Experte. „Denn nicht wir entscheiden, wo wir verkaufen, sondern der Kunde entscheidet, wo er kaufen will“, so Postert. Und das alles mit der heutzutage vorherrschenden Mentalität: „Ich! Alles! Sofort! Umsonst!“

Der Bochumer rät Städten wie Uelzen allerdings dazu, ihre eigene Identität zu finden. Statt auf Masse zu setzen – wie es in den schier unendlichen Angebotspaletten von Online-Händlern der Fall ist – sollten Einzelhändler in Mittelzentren wie Uelzen auf Qualität setzen.

Seine Empfehlung: „Beantworten Sie sich die Frage: Was ist die DNA Ihrer Stadt?“ Und wenn keine Einzigartigkeit zu entdecken sei, so gibt Postert folgenden Denkanstoß: „Wäre der Ilmenausee eine DNA, die man entwickeln kann?“

Die allermeisten an diesem Abend glauben daran. Ganz vorne weg auch Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt. Er unterstützt die Aktiven des Vereins Ilmenaustadt Uelzen, zu denen unter anderem ihr Vorsitzender Henning Tiedge und der Architekt Stefan Thieme gehören. Beide stellen den aktuellen Stand der Planungen vor, den Herzogenplatz zu einer Piazza umzubauen und die Ilmenau als See mitten in die Stadt zu holen. Ihr Ziel: eine Aufbruchstimmung und Vertrauen in die Stadt Uelzen zu schaffen, selbige attraktiv für junge Familien zu machen, die hier nicht nur arbeiten, sondern auch leben wollen. Außerdem will der Verein mit seiner Initiative der drohenden Abwärtsspirale aus Leerständen, Überalterung und einem Verfall der Immobilienpreise entgegentreten.

Für Stefan Postert könnte ein Ilmenausee etwas Besonderes sein. Denoch: Ein Patentrezept für gelingende Stadtentwicklung gebe es nicht. An die Adresse der Uelzener richtete er daher den Appell, aus all dem Genannten „das Richtige abzuleiten“. Man müsse Themen für Flächen und Flächen für Themen entwickeln“. Kurzum: „Sie müssen erst einmal wissen, wo Sie überhaupt hin wollen.“

Von Ines Bräutigam

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