„Kleinod“ von Friedrich Roloff aus den 30ern steht zum Verkauf / Schützen bieten mit

Königskette bei Ebay

Sieben Abzeichen trägt die Kette, auf zweien ist „Stadthauptmann Roloff“ erwähnt. Sie soll nach ihrer Odyssee wieder nach Uelzen zurück. Foto: Screenshot ebay

Uelzen. Eine Preziose der Uelzener Schützengilde steht im Netz zum Verkauf: Noch bis zum Sonntagabend können Interessierte beim Internet-Auktionshaus „Ebay“ auf eine Königskette von Friedrich Roloff bieten.

Der Hamburger Münzhändler Till Kleyer bietet die Kette im Auftrag eines anonymen Besitzers an. Der Besitzer wiederum, das ließ Kleyer durchblicken, habe die Kette vor etwa einem Jahr in der Schweiz gekauft.

Friedrich Roloff ist nicht irgendwer. Roloff, damals Stadthauptmann, veranlasste 1930 zusammen mit Leutnant Louis Hoevermann und Kompanie–freund Dr. Wilhelm Höfer, dass die Gilde zu einem eingetragenen Verein wurde. Diese Änderung des Status des Vereins habe die Gleichschaltung von Verbänden mit dem Nazi-Regime verhindert, heißt es von der Gilde. „Die Gilde sollte in eine NS-Organisation übergehen“, sagt Erwin Reitenbach, Pressesprecher der Gilde, „das wurde damals verhindert“. Nach dem Krieg, berichtet Schützenhistoriker Hans-Jürgen Meyerhof, habe Roloff dann die Gilde wieder ins Leben gerufen, in Absprache mit den Briten. „1947 gab es den ersten Ausmarsch nach dem Krieg“, so Meyerhof, und Roloff und seine wiederaufgebaute Gilde prosteten dem britischen Offizier zu. Kurz und gut: Die Kette hat für die Gilde immense Bedeutung.

Bei der Erwähnung der Schweiz, woher die Kette laut Münzenhändler Kleyer stamme, horchen die beiden Männer auf: Ein Enkel Roloffs, Jürgen Hemme, wohnt in der Nähe von Zürich, er ist der Sohn von Roloffs Tochter Mary. Aus dem Nachlass seiner Mutter stammt auch ein Säbel, der Roloff 1925 zur Silbernen Hochzeit übergeben wurde und den die Gilde 1980 wieder erwarb. Seitdem ist der Ehrensäbel ein „Kronjuwel“ der Gilde – wie auch die Königskette Friedrich Roloffs. Diese habe Jürgen Hemme aber nie besessen, sagt er. Dieser Teil des Erbes sei an die andere Tochter Roloffs gegangen, Else. Else Roloff heiratete einen Schmalhorst, ihr Sohn Peter Schmalhorst starb vor vier Jahren. Dessen Frau, Christel Schmalhorst, kann sich an die Kette erinnern. „Ich sehe sie deutlich vor mir!“, sagt sie aufgeregt. Sie wohnt in einem kleinen Ort bei Neumünster und lebte bis 1961 in Uelzen. Aber wie die Kette aus ihrem Besitz, also aus dem Erbe des gefeierten Stadthauptmannes und Schützenkönigs von 1912, 1930 und 1931, über die Schweiz zu einem Münzenhändler in Hamburg geriet, weiß sie nicht. Sie habe nach dem Tod ihres Mannes vieles ausgeräumt und entsorgt. Dabei müsse dann auch die Kette verloren gegangen sein. Dass sie über Münzensammler einen Umweg in die Schweiz gemacht hatte, also in die Nähe des anderen Roloff-Erben, mag Zufall sein.

Nun soll die Königskette heim nach Uelzen. „Wir sind daran interessiert, dass dieses Kleinod wieder in die Gilde kommt“, sagt Pressesprecher Reitenbach. Soll heißen: Die Gilde steigt in das Rennen um die Kette ein. Gestern Nachmittag stand das Gebot bei knapp 200 Euro. Und, ganz persönlich meint Reitenbach: „Das sind wir dem Andenken von Roloff schuldig“.

Von Kai Hasse

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