Prozess zu Vergewaltigung einer 17-Jährigen: Polizeibeamte sagen als Zeugen aus

Knopf im Ohr „nicht glaubwürdig“

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Teils fragwürdige Schilderungen des Angeklagten auf der einen Seite und ein schwer verängstigtes Opfer auf der anderen Seite – dieses Bild zeichneten gestern zwei Uelzener Polizeibeamte, die vor dem Landgericht Lüneburg als Zeugen aussagten.

Uelzen/Lüneburg. Teils fragwürdige Schilderungen des Angeklagten auf der einen Seite und ein schwer verängstigtes Opfer auf der anderen Seite – dieses Bild zeichneten gestern zwei Uelzener Polizeibeamte, die vor dem Landgericht Lüneburg als Zeugen aussagten.

Die Anwesenden in der Hauptverhandlung gegen einen 37-jährigen Uelzener, der im September vergangenen Jahres eine 17-jährige Bekannte seiner Lebensgefährtin vergewaltigt haben soll (AZ berichtete), erhielten gestern Morgen detaillierte Einblicke – einerseits in das Geschehen, wie es der mutmaßliche Täter und das Opfer den Polizisten in den Vernehmungen geschildert hatten; andererseits aus Sicht des psychiatrischen Gutachters, der den Angeklagten untersucht hatte.

Sowohl die Polizistin, die das Opfer vernommen hatte, als auch ihr Kollege, der den Angeklagten anhörte, berichteten, dass der 37-Jährige die 17-Jährige mit einem Messer bedroht habe, um sie gefügig zu machen. Die Bedrohung habe die junge Frau nachhaltig verstört und große Angst bei ihr ausgelöst, sagte die Beamtin und sprach von einer „sehr kräftezehrenden Vernehmung“.

Die beiden Zeugen berichteten übereinstimmend, dass der Angeklagte vor und während der Vergewaltigung behauptet habe, er wolle ja nicht, aber er müsse die Tat durchziehen. Über einen Knopf im Ohr habe er Befehle empfangen und sei fremdgesteuert gewesen. Die 17-Jährige habe geschildert, dass er sich ständig ans Ohr gefasst habe, um „die“ zu hören, und sie nach der Vergewaltigung mit auf den Balkon genommen habe, damit „die“ auch sehen könnten, dass er die Vergewaltigung tatsächlich begangen habe.

Das Opfer habe aber keinen Knopf im Ohr oder ähnliches entdecken können, hatte es der Polizeibeamtin erzählt. Und auch der Polizeibeamte bewertete die Erzählungen des Angeklagten in der Vernehmung diesbezüglich als „nicht glaubwürdig“.

Der Angeklagte ist bei der Polizei kein Unbekannter: Unter anderem wurde er bereits wegen versuchten Betrugs, Erpressung, Beleidigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Hausfriedensbruch und Diebstahl verurteilt. Und wegen schwerer Körperverletzung: 2003 wurde er zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er seine damalige Ehefrau mit selbstgebauten Schlagstöcken krankenhausreif geschlagen hatte.

Dem Angeklagten sei in seinen Ausführungen schwer zu folgen, stellte derweil der psychiatrische Gutachter fest. Der 37-Jährige ergehe sich im „Danebenreden“ mit viel Gestik, formuliere „schlecht strukturiert“, habe Denkstörungen und verfüge über eine „niedrige Intelligenz“. Anhaltspunkte für eine Persönlichkeitsstörung oder Affekthandlung gebe es aber nicht, so der Gutachter, und attestierte dem 37-Jährigen volle Schuldfähigkeit. Dieser habe eher noch die Tendenz, die Schuld für unliebsame Dinge Dritten zuzuschieben und sich selbst herauszuhalten.

Die Verhandlung wird morgen Vormittag im Lüneburger Landgericht fortgesetzt.

Von Ines Bräutigam

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