Landgericht Lüneburg: Zeuge nimmt zweiten Anlauf – Verfahren wird eingestellt

Kneipier bleibt unbestraft

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Das Landgericht Lüneburg bot die Kulisse für einen Prozess, bei dem sich ein Uelzener Kneipier und ein Gast stritten.

Uelzen. Erst ein Meineid, dann ein schlechtes Gewissen: Gestern morgen hat ein Zeuge im Landgericht Lüneburg um eine zweite Vernehmung gebeten und damit die entscheidende Wende eingeleitet.

Der Mann hatte am Donnerstag im Prozess gegen einen 51-jährigen Uelzener Kneipier, der einen Gast ausgeraubt haben sollte, eine Falschaussage beeidet. Die gestrige Zeugenvernehmung führte schließlich dazu, dass das Verfahren gegen den Angeklagten eingestellt wurde.

„Ich habe dem Gast einen 20-Euro-Schein aus dem Portemonnaie genommen, das möchte ich ergänzen“, sagte der Zeuge gestern vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht, „dafür stehe ich gerade.“ Einen Tag zuvor hatte er die Frage, ob er die Scheine an Stelle des Gastwirts genommen habe, noch verneint. Damit war nun das Rätsel um verschwundenes Bargeld gelöst und der Raub-Vorwurf gegen den Kneipier aus Sicht der Staatsanwaltschaft ausgeräumt.

Der Nebenkläger hatte dem Gastronom vorgeworfen, von ihm am 5. Januar 2012 mit einem 50 Zentimeter langen Gegenstand an der Schulter verletzt und ausgeraubt worden zu sein. Zuvor habe er selbst dem Kneipier ein Glas Likör ins Gesicht gekippt und mit der Faust zugeschlagen, erklärte er.

Der Angeklagte gestand, im Laufe der Auseinandersetzung zu einer Küchenpapierrolle samt Halter gegriffen und den Nebenkläger damit geschlagen zu haben. Der 51-Jährige betonte jedoch, dass er aus dem Portemonnaie des Opfers kein Geld herausgenommen habe.

Da der Angeklagte die Körperverletzung mit der Küchenrolle bereits gestanden hatte, geht er zwar unbestraft aus diesem Prozess hervor, muss jedoch eine Geldauflage leisten. Die Beteiligten einigten sich schließlich auf eine Geldauflage von 900 Euro zugunsten der Straffälligen- und Bewährungshilfe.

Direkt nach der Verhandlung in Lüneburg trafen der Kneipier und der Nebenkläger noch einmal aufeinander. Der 51-Jährige entnahm einer Tasche eine Flasche des Likörs, der ihm vor über einem Jahr ins Gesicht gegossen wurde – und beide tranken einen „Friedensschluck“.

Von Diane Baatani

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