Von Woche zu Woche

Das Klinikum wird zum Skandal-Fall

Was soll das? Wo soll der Weg hinführen? Geht man wirklich für den Profit das Risiko ein, ein komplettes Krankenhaus gegen die Wand zu fahren? Diese Fragen muss man sich stellen, wenn man die Entwicklungen im Uelzener Helios-Klinikum in der jüngsten Vergangenheit verfolgt.

Und, so bitter es ist, man kann nicht guten Gewissens erwidern, hier werde Gesundheitspolitik gemacht zum Wohle der Menschen in dieser Region und zum Wohle der Mitarbeiter – ganz im Gegenteil.

Um es sarkastisch auszudrücken: Es wird offenbar alles versucht, um eine engagierte Belegschaft zu demoralisieren. Erst stellt man die Arbeitsleistung der Mitarbeiter mit zweifelhaften Umfrageergebnissen in aller Öffentlichkeit und vor den Patienten an den Prangerund setzt sie so hämischen Kommentaren aus. Fürsorgepflicht für Arbeitnehmer sieht anders aus.

Doch mangelnde Rückendeckung ist die eine Sache. An die Substanz eines Krankenhauses aber geht es, wenn man in elementaren Bereichen Probleme kleinredet oder sogar die Realität nicht wahrhaben will. „Hygiene“ ist so ein elementares Thema in einem Klinikum, noch dazu im Operationssaal. Aus Kostengründen war die Sterilisationsabteilung dicht gemacht worden, seitdem reinigt man die Instrumente in Gifhorn. Und die Operateure klagen darüber, dass dabei offenbar geschlampt wird.

Wegen unzureichender Instrumente müssen Operationen verschoben werden – in einem solchen Fall müssten bei einer verantwortungsbewussten Geschäftsführung alle Alarmglocken klingeln, es müsste von einem Tag auf den anderen Abhilfe geschaffen werden.

Doch wochenlang gibt es offenbar immer neue Beschwerden von den Ärzten, Operationen werden nach AZ-Recherchen wegen fehlender Instrumente und Probleme mit der Aufbereitung abgebrochen, verlängert oder vertagt. Ein solcher Zustand ist ein handfester Skandal. Ein Skandal, der den Ruf des Krankenhauses dauerhaft schädigen und die Einrichtung sogar gefährden kann.

Hier kommen Menschen in größter Not; im Vertrauen, dass alles versucht wird, damit ihre Gesundheit wieder hergestellt wird. Doch dem Personal steht nicht mal die erforderliche Ausstattung rund um die Uhr zur Verfügung.

Das macht sprachlos, das ist empörend. Und man muss es sagen: Das Uelzener Klinikum ist angesichts dieser Vorgänge längst ein Fall für die Aufsichtsbehörden.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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