Klinikchefs bezeichnen AOK-Report als „Unverschämtheit“

„Unseriöse“ Statistik

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Die AOK hat in ihrem Krankenhaus-Report eine hohe Zahl von Operationsfehlern angegeben. Klinik-Chefs aus Uelzen und Lüneburg halten die Daten für unseriös.

Uelzen. Der aktuelle Krankenhausreport der AOK sorgt bei den Kliniken im Landkreis Uelzen für Verstimmung: Auf einer Sitzung mit Vertretern der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik in der Psychiatrischen Klinik bezeichnete Hans-Wilhelm Heidemann, Inhaber der Veerßer Klinik, die Veröffentlichung der Statistik der AOK als „Unverschämtheit“.

Demnach sollen wegen Behandlungsfehlern im Krankenhaus jährlich in Deutschland rund 19 000 Patienten sterben. In rund 190 000 Fällen sollen solche Fehler gesundheitliche Schäden bei Patienten verursachen.

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Nach Medienberichten stützt die AOK ihren Report auf eine etwa acht Jahre alte Erhebung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit. Auf den damals ermittelten Anteilen würden die aktuellen Zahlen aufbauen. Das bezeichnet Heidemann als unseriös.

In einem Gespräch mit einer Vertreterin der AOK habe er hinterfragt, warum die Klinik Veerßen somit von der Gesundheitskasse „mit einem Drittel Todesfall“ bedacht worden sei. In seinem Haus habe es keinen Todesfall gegeben, betonte Heidemann auf der Sitzung. „Man kann so etwas nicht veröffentlichen.“ Auch die Bewertung von Kliniken durch die AOK sei von außen schwer zu durchschauen.

Michael Moormann

Dieser Kritik am Krankenhausreport stimmten die Geschäftsführer der Psychiatrischen Klinik Uelzen, des Klinikums Uelzen, der Seepark-Klinik Bad Bodenteich, des Herz- und Gefäßzentrums, der Caduceus-Klinik und des städtischen Klinikums Lüneburg zu. Michael Moormann, Geschäftsführer der Lüneburger Klinik, bestätigte, dass der AOK-Bericht auf veralteten Schätzungen aufbaue, von denen ausgehend eine Entwicklung bis ins Jahr 2013 geschätzt worden sei. Zudem erzeuge eine Bewertung der AOK von Krankenhäusern missverständliche Eindrücke, ohne etwas über die tatsächliche Qualität auszusagen.

Die Kliniken sehen den AOK-Report gerade vor dem Hintergrund der eigenen Ausgaben im Vergleich zu den ihrer Ansicht nach zu geringen Fördermitteln vom Land Niedersachsen kritisch. Das Klinikum Lüneburg befürchtet, durch solche „unseriösen“ Angaben der AOK, wie Moormann es nennt, Patienten an die Hamburger Krankenhäuser zu verlieren.

Die Uelzener Klinikchefs, deren Mitarbeiter einen Schwerpunkt in der lokalen Wirtschaft bilden, formulieren ähnliche Sorgen. Als vergleichsweise kleines Unternehmen mit 40 Mitarbeitern habe sich die Veerßer Klinik auf die Prothetik spezialisiert, berichtete Heidemann: „Es ist ein ewiges Achterbahnfahren für so eine kleine Klinik, und das praktizieren wir schon seit mehr als 60 Jahren.“

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