Zunehmender Schimmelbefall an Instrumenten

Klimawandel bedroht Orgeln: Auch Uelzens St.-Marien-Kirche betroffen

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Jeder Ton klingt wieder: Orgelsachverständiger Axel Fischer (v.l.), St.-Petri-Pastor Armin Sauer und Orgelbauer Martin Hillebrand überzeugten sich gestern vom neuen Klang der Orgel.

Uelzen/Landkreis. Vor den Arbeiten war es nur noch ein Klangbrei, der sich von der Empore der St. -Petri-Kirche seinen Weg durch das Gotteshaus bahnte. Gestern spielte dann Axel Fischer auf der Orgel der Kirche: Jeder Ton war deutlich zu hören.

Der Orgelsachverständige der evangelischen Landeskirche Hannover zog nach seinem Vortrag einen Vergleich zum Menschen: „Die Aussprache des Instrumentes ist deutlich besser geworden. “ Die fast 50 Jahre alte Orgel ist in den vergangenen Wochen instand gesetzt worden. Nicht nur, weil das Leder der Blasebalge, über die Luft in die Orgelpfeifen gedrückt wird, brüchig geworden war. Die Orgel war auch von Schimmel befallen. Ein solcher Schimmelbefall war nicht nur ein einzelnes Phänomen in St. -Petri, sondern ist ein zunehmendes Problem in allen Kirchenhäusern.

Martin Hillebrand ist Orgelbauer. Seine Firma „Gebrüder Hillebrand“ hat am Instrument von St. Petri gearbeitet. Gestern sagt er: „Seit 20 Jahren hat der Schimmelbefall an Orgeln signifikant zugenommen.“ Sachverständiger Axel Fischer erklärt, dass klimatische Veränderungen eine Rolle spielen. Eine zunehmende Feuchtigkeit in den Kirchen führe zu einem erhöhten Befall.

Orgeln sind hoch komplexe Instrumente; aus mehr als 1600 Pfeifen – manche dünner als der kleine Finger. andere so mächtig im Umfang wie Oberschenkel – setzt sich die Orgel von St. Petri zusammen. Über Röhren und Schächte wird die Luft aus dem Windwerk zu den Pfeifen geleitet, über Spangen und Drähte öffnen und schließen sich Ventile. Mehr als 50 Orgeln gibt es im Landkreis Uelzen, berichtet Kreiskantor Erik Matz. Er berichtet von mehreren kleineren Schimmelbefällen an Instrumenten zwischen Bienenbüttel und Bad Bodenteich – darunter auch im Inneren der großen Orgel von St. Marien in Uelzen.

Sorge vor gesundheitlichen hat er nicht, weiß aber, was auf die Landeskirche und Kirchengemeinden zurollt. Gemessen an den Arbeiten der vergangenen Jahre an Orgeln und Kirchen sei man bei Millionen-Beträgen. Die Orgelsanierung von St. Petri kostet rund 42 000 Euro. Die Landeskirche steuert 14 000 Euro bei, etwa 20 000 Euro stammen von Uelzenern.

Das Amt für Bau und Kunstpflege der Landeskirche sei sich des Problems bewusst, sagt Orgelrevisor Axel Fischer. Orgelbauer Hillebrand sieht Handlungsbedarf. Experten aus aller Welt seien schon zu Forschungen zusammengekommen; Schimmelbefall und auch Bleifraß, beides trete seit Jahren bereits verstärkt auf, sei dem Klimawandel verschuldet. Hillebrand erinnert an die enormen Niederschlagsmengen bereits in diesem Jahr. Axel Fischer sagt, die nötigen Schritte würden gegangen. Erst jüngst sei an die Kirchengemeinden Handlungsempfehlungen zur Belüftung und dem Heizen in Gotteshäusern gegangen.

Von Norman Reuter

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