Klein und grün...

. . .   steht sie da, des Uhlenköpers neueste Sorge. Er hat stumm akzeptiert, dass seine Frau ihm immer mehr Zimmerpflanzen schenkt, um zu erproben, ob er sie gut umsorgt – und um Rückschlüsse auf seine Vaterqualität ziehen zu können, Uhlenköper hat das wohl durchschaut.

Nun haben Freunde den Anspruch hochgeschraubt: Aus einer grünen Schale blickt ihn nun stumm und vorwurfsvoll eine chinesische Ulme an, ein Bonsai-Bäumchen. Und Uhlenköper, der bisher das Einmaleins des Pflanzenhaltens nur rudimentär beherrscht, wühlt sich verzweifelt in Fachliteratur. Schneiden, Wässern, Düngen, Drahten ... eigentlich ist das doch Pflanzenquälerei, schwant ihm. Soll es die Sekijoju-Form sein? Oder besser die Ishitsuki? Uhlenköper als Kind der Waterkant gefällt die windgepeitschte Fukinagashi-Form, die den Baum neigt wie vom Sturm gebeugt.

Uhlenköper denkt langsam, dass man Bäume (wie Kinder, das dazu) nicht in allzu enge Korsetts zwängen sollte. Vielleicht, denkt er, macht er die kleine chinesische Ulme doch noch zu dem, wozu Ulmen geboren sind: rank und frei und stark wie ein (echter) Baum. Wie ein Kind der Heide, findet Uhlenköper.

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