Friedhofsverwaltung will mit Greifvögeln Kaninchenplage bekämpfen / Zuschauer müssen fernbleiben

Mit Klauen gegen Kaninchen

Zunächst werden die Tiere mit Frettchen aus ihrem Bau gescheucht, danach sollen Greifvögel zuschlagen. Fotos: dpa

Uelzen. Wenn Wildkaninchen da sind, bleiben sie auch erstmal. „Die vermehren sich ja wie. . . “, sagt Andreas Sterneck, und da fällt ihm dann kein gutes Wort ein – „. . . wie Kaninchen“, endet das Sprichwort meist. Eben. Kaninchen sind sprichwörtlich emsige Familienplaner.

Sterneck ist der Friedhofsverwalter Uelzens, und damit versucht er, den Friedhof auf Vordermann zu halten. Nur derzeit machen ihm Wildkaninchen dabei einen Strich durch die Rechnung. Hunderte sind es, meint er. Und sie fressen sich satt an den Pflanzen, die trauernde Angehörige an den Gräbern aufstellen.

Sterneck steht nun in einem Konflikt: Die einfachste Methode, Kaninchen zu jagen, ist die Jagd mit der Flinte. „Ich bin kein Freund von Schusswaffen“, sagt Sterneck, „wir sind hier auf einem Friedhof. Der Name sagt es schon, es geht darum, Frieden zu finden. Es ist ein Ort der Trauer, wo Angehörige ihrer Verstorbenen gedenken“. Jäger mit der Flinte auf dem Friedhof? Nein, das will er nicht.

Da traf es sich gut, dass Sterneck vor einiger Zeit von Hans Kubelka angesprochen wurde. Kubelka ist Landesvorsitzender des Verbands deutscher Falkner in Sachsen-Anhalt, und er hat vorgeschlagen, dass er mit einigen Falkner nach Uelzen kommt, um die Wildkaninchen zu bejagen. Am 27. Oktober soll die Bejagung nun stattfinden. „Es ist eine sehr natürliche Jagd, das Beutetier bekommt auch seine Chance zu entkommen“, sagt Kubelka. „Der Sinn der Sache ist, dass man auch dorthin kann, wo keine Schusswaffen benutzt werden können“, meint Kubelka. Das habe er schon oft getan, beispielsweise in Parkanlagen oder auch in Gorleben auf dem Gelände des Atomendmülllagers, wo auch niemand will, dass mit Schusswaffen geschossen wird.

Die Jagd würde, erklärt Kubelka, folgendermaßen ablaufen: Die Falkner bringen neben ihren Greifvögeln außerdem Frettchen mit. Die schlanken Marder werden in die Baue der Wildkaninchen gelassen, darin sollen sie die Tiere aufscheuchen und aus ihrem Bau jagen. Flüchten die Kaninchen nach draußen, werden sie dort von den Greifvögeln gejagt. Kubelka selbst jagt mit Habicht und „Harris Hawk“, einem Amerikanischen Bussard. Er würde eine Gruppe von etwa sechs bis sieben weiteren Falkner mitbringen.

Sterneck, der aus Pietät nicht will, dass auf seinem Friedhof herumgeschossen wird, sieht darin eine gute Alternative. Er will den betroffenen Angehörigen helfen, wo es in seiner Macht steht. Etwa 20 Hektar hat er in Uelzen zu betreuen, und die Angehörigen geben sich immer wieder Mühe, die Gräber zu bepflanzen. Der Schaden, der entstehen kann, gehe bisweilen in die Hunderte von Euros. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren, sagt er, habe er sich auch in Absprache mit der Jägerschaft um schonende Jagdmethoden bemüht, weil die Population der Wildkaninchen sprunghaft stieg. Man habe mit Frettchen allein gejagt oder es mit Lebensfallen versucht – jeweils ohne den gewünschten Erfolg.

Fernbleiben vom Friedhof

Damit es diesmal gut klappt, müssen die Greifvögel Ruhe haben. Friedhofsverwaltung und Falkner bitten die Bevölkerung, die Tiere am Tag der Jagd nicht zu stören und deshalb nur in unbedingt notwendigen Fällen den Friedhof zu betreten. Wer zum Gucken kommt, gefährdet den Erfolg der Jagd – und sieht dann eh nichts.

Von Kai Hasse

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