Christian Meyer will über Essen reden und muss seine Politik verteidigen

Klagen eines Ministers

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Christian Meyer (Mitte) folgte der Einladung der Uelzener Grünen um ihre Vorsitzende Christine Kohnke-Löbert.

Uelzen. Um 19.39 Uhr reißt Hans-Heinrich Sackmann aus Weste der Geduldsfaden: Er sucht die Konfrontation mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne).

Es sei eine Frechheit, mit welchen oberflächlichen Aussagen der Minister agiere, dabei immer wieder die Landwirte in ein schlechtes Licht rücke, so der Landwirt aus Weste. Er ist nicht der Einzige, der mit seiner Wut nicht hinterm Berg halten will. Landwirt Andreas Meyer aus Steddorf: „Besser, Herr Minister, sie treten zurück.“

Dem Landwirtschaftsminister eilt der Ruf als „Bauernschreck“ voraus, weil er mit immer neuen Reglementierungen und Verpflichtungen immer mehr Bürokratie vor allem kleine Landwirtschaftliche Betriebe zum Aufgeben zwinge. Wie groß das Grollen der Bauern ist, zeigt sich am Montagabend im Restaurant Lässig in Uelzens Hundertwasser-Bahnhof. Der Kreisverband der Grünen hat eingeladen. Das eigentliche Thema: Gesund essen. Christian Meyer ist Referent des Abends, will auch eine gute Stunde mit den Besuchern der Veranstaltung diskutieren. Etwa 50 sitzen auf mit Hussen bezogenen Stühlen. Darunter nicht nur jene, die Fragen haben, wie es beispielsweise um das Problem der multiresistenten Keime bestellt ist oder wie viel Antibiotika in Mastbetrieben verabreicht wird.

Es sind auch Landwirte gekommen, die nicht Meyers Aussagen kommentarlos stehen lassen wollen. Der Minister weiß, wie seine Politik bei Bauern ankommt, mehrfach berichtet er von Klageankündigungen auf seinem Schreibtisch. Und lakonisch wirft er gelegentlich in Bezug auf weitere Gesetzesvorhaben ein: „Wahrscheinlich verklagt man mich dann auch wieder.“ Aber für Christian Meyer steht fest: Ohne Vorgaben für die Landwirtschaft funktioniert es nicht. Durch sie würden allerdings bäuerliche Betriebe nicht automatisch geschwächt. Er nennt als Beispiel das Verbot der Käfighaltung für Legehennen, das bald bundesweit gilt. In Niedersachsen existiert es schon länger. Statt weniger Legehennenbetriebe gebe es nun mehr, sagt der Minister. Sein Namensvetter Andreas Meyer aus Steddorf sieht aber eben doch die kleineren Betriebe durch die grüne Politik des Ministers in Gefahr: „Kennen Sie eigentlich kleinere Betriebe?“, fragt er aufgebracht. Der Grünen-Politiker erwidert: Gerade erst seien kleinere Betriebe gestärkt worden, indem sie künftig mehr Förderung erhalten als bisher. Christian Meyer will einen Zug um 20.44 Uhr nehmen. Kurz vor der Abfahrt kommt die Sprache noch auf die Wölfe in der Region und ein Landwirt artikuliert seine Sorge, dass seine Kühe gerissen werden könnte. Für eine ausführliche Antwort fehlt die Zeit. Meyer verabschiedet sich mit dem Satz: „So viele Wölfe haben wir ja auch nicht.“

Von Norman Reuter

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