Der Uelzener Weihnachtsmarkt sorgt für Unmut – vor und hinter den Tresen

Klagelieder im Advent

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Immer weniger Kinder besuchen Weihnachtsmärkte, meint Andreas Matuschak. Deshalb haben es auch Schausteller wie beim Uelzener Weihnachtsmarkt schwer. Das Karussell an der St.-Marien-Kirche sucht seine Fahrgäste.

Uelzen. „Das ist doch kein Weihnachtsmarkt! Nur Essen und Trinken – das war’s. “ Dietrich Smolla macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, wenn es um den Uelzener Weihnachtsmarkt an der St. -Marien-Kirche geht. Er ist mit seiner Kritik nicht alleine.

Rolf Schlichtenhorst: „Der Markt wird immer eintöniger. Wo ist das Handwerk?“ Und Jessica Elsholz meint: „Die Zeiten von Riesenrad und Tierdorf sind vorbei. Viel Ratlosigkeit bei denjenigen, die extra angereist sind. “ Anstoß nimmt die Wrestedterin auch daran, dass in diesem Jahr keine Hochzeitssuppe vom Schlacht- und Spargelhof von Oliver Brink zu kaufen ist – ein Umstand, der auch in der Stadt und im Internet lebhaft diskutiert wird.

2001 hat die Stadtverwaltung die Ausrichtung des Uelzener Weihnachtsmarktes in private Hände gegeben. Andreas Matuschak ist seitdem dafür verantwortlich und er erklärt: „Der Markt spiegelt das wider, was die Kunden wünschen und auch kaufen.“ Er habe beispielsweise schon kostenlos Stände für Glasbläser aus Rumänien zur Verfügung gestellt. Im nächsten Jahr wiederkommen wollten sie nicht: „Sie sagten: In den Karpaten verdienen wir mehr.“

Was das Tierdorf betreffe, so sei es einzigartig im Land gewesen, aber habe Unsummen gekostet. „Es gibt einen Wandel“, so Matuschak. Weihnachtsmärkte würden vor allem als Treffpunkt für ein geselliges Beisammensein genutzt. „Es gibt neue Modelle, sie gar nicht mehr Märkte zu nennen“ – so wie in Uelzen. Durch die Entwicklung müsse er auch darauf achten, dass ein Stand nicht zigmal vorhanden sei. So erkläre sich auch, warum die Hochzeitssuppe nicht von Oliver Brink verkauft werde. „Wenn sich jemand zunächst nicht bewirbt, gehe ich davon aus, dass er nicht teilnehmen möchte“, so Matuschak. Als Brink dann doch noch erklärt habe, dass er mit einem Stand vertreten sein wolle, habe er zwischenzeitlich den Verkaufsstand an jemand anderes vermietet.

Oliver Brink ist nun mit Kartoffelspeisen auf dem Markt zu finden und äußert sich gegenüber der AZ knapp: „Es ist vom Ausrichter her legitim gelaufen.“

Die Hochzeitssuppe 2014 im Angebot hat Ilona Rupp, die in Uelzen lebt und im Sommer mit einer mobilen Gastronomie an der Ostsee ihr Geld verdient. Zum ersten Mal ist sie nun beim Weihnachtsmarkt vertreten – wohl auch das letzte Mal: „Die Einnahmen decken die Ausgaben nicht“, sagt sie. Das würde auch am Standort ihrer Hütte liegen. Abseits vom eigentlichen Markt steht sie am Restaurant Zorbas – nur wenige Besucher würden den Weg zu ihr finden, berichtet Rupp. Deshalb habe sie auch das Speiseangebot „etwas verringern“ müssen. Andreas Matuschak begründet die Situation damit, dass die Flächen für Stände von der Stadt vorgeschrieben würden und wegen des Wochenmarktes mittwochs und sonnabends begrenzt seien – am Zorbas gebe es eine zu nutzende Lücke von sechs Metern.

Unmut hinter den Tresen ist jedoch nicht nur fernab des Marktes zu vernehmen. Michael Mantau hat direkt an der Kirche eine Zuckerbude aufgestellt – er spricht von einer „schwierigen Einnahmesituation“, weil zu wenig Besucher von 11 bis 16 Uhr kommen würden. Seine Schwägerin Helma Mantau, die gegenüber einen Glühweinstand betreibt, stimmt in dieses Klagelied mit ein. Ihr Problem vor allem: Die Zahl der Mitbewerber mit einem Glühweinangebot sei immer wieder gewachsen und die Größe des Weihnachtsmarktes insgesamt geschrumpft.

Johannes-Hermann Pommerien betreibt einen Glühweinstand gleich am Eingang des Marktes und sagt, dass er mit den Einnahmen über die Runden kommt. Dennoch: Kritik übt auch er an den Besucherzahlen. „Vielleicht sollte über ein neues Konzept für den Markt in Uelzen nachgedacht werden“, sagt Pommerien.

Von Norman Reuter

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