50 Kinder an Norovirus erkrankt

Küchenmitarbeiter in der Jugendherberge müssen jetzt mit Mundschutz arbeiten.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Ausnahmezustand in der Uelzener Jugendherberge: Insgesamt 50 Gäste sind wahrscheinlich an dem hoch infektiösen Norovirus erkrankt.

Als in der Nacht zu Mittwoch immer mehr Krankheitsfälle auftraten, rückte das Deutsche Rote Kreuz kurz nach Mittenacht zu einem Großeinsatz aus. Insgesamt 16 Helfer versorgten die Betroffenen Schüler, in der Nacht mussten zunächst vier, im Verlauf des Mittwochs dann weitere vier Erkrankte ins Uelzener Klinikum gebracht werden. Die restlichen Schüler konnten in der Jugendherberge versorgt werden. Die Schulleitung brach die Klassenfahrt, die eigentlich bis Freitag dauern sollte, schließlich ab. Gestern wurden die meisten Schüler von ihren Eltern abgeholt. Die Jugendherberge bleibt bis Freitag zur umfassenden Desinfektion geschlossen.

Als es am Montag den ersten Schüler erwischte, ahnte noch niemand, welche Kreise seine Erkrankung ziehen sollte. 150 Schüler der Gesamtschule Bovenden hatten Quartier in der Uelzener Jugendherberge bezogen, die Einrichtung war damit so gut wie ausgebucht. Doch im „Gepäck“ hatte zumindest einer der 12- bis 15-jährigen Schüler nicht nur Wanderschuhe und Spielkarten, sondern auch einen ungebetenen Gast – den hoch infektiösen Norovirus.

„Vom Zimmer dieses Schülers verbreitete sich die Krankheit dann sternförmig in die Nachbarzimmer und schließlich über den gesamten Gang“, schildert Jugendherbergs-Leiterin Daniela Ernst. Dienstag sind schon vier Jungen und Mädchen erkrankt. Als in der Nacht zu Mittwoch die Zahl der Betroffenen dann sprunghaft ansteigt, alarmiert die Herbergsleitung den ärztlichen Notdienst. Dr. Ralf Schumacher, der in dieser Nacht in Bereitschaft steht, macht sich ein Bild von der Lage – kurz nach Mitternacht informiert er dann die Einsatzleitstelle. Diese setzt ihrerseits die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) des Deutschen Roten Kreuzes in Marsch. Sieben Rettungsfahrzeuge rollen an, dazu wird ein ausgebildeter Spezialist für Desinfektion angefunkt.

21 Schüler und drei Lehrkräfte sind schließlich in der Nacht erkrankt, im Verlauf des Mittwochs steigt die Zahl auf 50 an. Acht durch Flüssigkeitsverlust besonders betroffene Kranke werden ins Uelzener Klinikum verlegt und auf der dortigen Kinderstation in Isolationszimmern betreut.

Derweil gibt ein Team des Gesundheitsamtes in der Jugendherberge Hinweise, wie ein weiteres Ausbreiten des Virus zu vermeiden versucht werden kann. So sollen Gesunde und Kranke unbedingt getrennte Sanitärräume aufsuchen, es werden Mundschutze und Flaschen mit Desinfektionsmitteln verteilt.

Im Verlauf des Mittwochs holen dann nach und nach die Eltern aus Bovenden ihre Kinder in Uelzen ab. Es ist nicht die einzige Rückholaktion der Gesamtschule an diesem Tag: Auch die Klassen, die als Ziel den Harz gewählt haben, mussten ihre Fahrt gestern abbrechen – einige Schüler hatten sich zuvor in ihrer Heimatstadt ebenfalls mit dem Norovirus angesteckt. Laut Gesundheitsamt und Klinikum sprechen die Symptome dafür, dass es sich um diesen Virus handelt. Ein genauer Befund soll heute vorliegen.

Derweil muss die Jugendherberge bis zum Wochenende für eine umfassende Desinfektion geschlossen werden. „Die gesamte Wäsche und die Matratzen werden abgeholt, sämtliche Zimmer und natürlich Sanitärräume grundgereinigt“, schildert Daniela Brandt. Gäste werden ohnehin erst wieder am Sonnabend erwartet, bis Freitag war die Jugendherberge von den Bovendern gebucht.

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