Unbekannter ersteigert Insignien des Schützenhauptmanns Roloff für 1000 Euro

Kette geht nicht an die Gilde

Friedrich Roloff mit seiner persönlichen Königskette, unterhalb der breiten Stadthauptmann-Insignie. Foto: Archiv Hoffmann

Uelzen. Die Königskette des ehemaligen Schützen-Stadthauptmanns Friedrich Roloff ist am späten Sonntagabend verkauft worden. Über die Internet-Versteigerungsplattform Ebay ist der Zuschlag an einen Unbekannten für 1000 Euro gegangen.

Insgesamt drei Mal wurde Friedrich Roloff Schützenkönig, wie eine der Plaketten zeigt.

Die Schützengilde Uelzen, für die die persönliche Königskette Roloffs einen hohen ideellen Wert darstellt (die AZ berichtete), ging leer aus. Dabei hatte sie hoch gepokert: Knapp unter 1000 Euro hatte der heutige Stadthauptmann Christian Wulf für die Insignie seines bekannten Vorgängers geboten. Tage zuvor war der Preis zunächst bei 671 Euro stagniert. Zwei Minuten und 27 Sekunden vor Ablauf der Auktion dann hatte Wulf noch 995 Euro gesetzt. Und dabei hatte er schon Bauchschmerzen: „Dabei muss ich mir schon Gedanken machen, ob ich das vor der Gilde verantworten kann“, sagt Wulf, „ab einem vierstelligen Betrag wird es böse für mich und die Gilde.“

Der vierstellige Betrag kam vier Sekunden vor Ablauf der Auktion: 1000 Euro. Zwei Sekunden davor noch hatte Wulf den Stand ein letztes Mal kontrolliert. Und dann war die Kette futsch.

Zumindest vermutlich. Der Verkäufer, der Münzenhändler Till Kleyer aus Hamburg, der die Kette im Auftrag eines anderen Verkäufers eingestellt hatte, gibt den Namen des Käufers nicht heraus. Er kann aber sagen, dass er im Bereich Uelzen-Lüneburg wohne. Es gebe außerdem Indizien, dass er sehr wohlhabend sein könnte. Auf der AZ-Internetseite az-online.de behauptet ein „Reicher Uelzer Bürger“, er habe die Kette ersteigert. „Reicher Uelzer Bürger“ behauptet außerdem, die Kette werde, wenn sie in der „Hansestadt“ ist (womit Uelzen gemeint sein könnte) im Rathaus dem Publikum präsentiert.

Die Identität des Käufers bleibt Spekulation. „Reicher Uelzer Bürger“ kann genausogut ein Witzbold sein. Wäre der Käufer wirklich reich oder wohlhabend, „dann macht auch die Summe Sinn“, sagt Christian Wulf. Er bedauert, dass die Kette nicht im Besitz der Gilde ist und kritisiert, dass die AZ öffentlich gemacht hatte, dass die Auktion läuft – eventuell wäre es sonst anders gekommen.

Glücklich ist Wulf aber darüber, dass die Kette zumindest in den Uelzener Raum gekommen ist. Er hofft nun, dass der Käufer den ideellen Wert der Kette für die Uelzener Gilde würdigt und die Kette tatsächlich ausstellen möchte. „Nichts anderes hätte ich auch vorgehabt“, so Wulf.

Till Kleyer, der Verkäufer, weiß, dass solche Ketten durchaus hohe Preise erzielen können. „Ich hätte den Preis bei 500 Euro und mehr gesehen“, sagt er. 1000 Euro hätte er nicht erwartet. Sammler hängen an solchen Objekten. So gebe es sogenannte Brakteaten, eine Art einseitig geprägte Blechmünze, für die Sammler mehr als 2500 Euro ausgeben. Nicht-Sammlern wären diese Brakteaten vermutlich egal. „Das würden sie vielleicht ihren Kindern zum Spielen geben“, sagt er. Aber Münzsammler sind eben ein eigenwilliges Völkchen.

Von Kai Hasse

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