Nordzucker: Aufatmen beim Aufsichtsrat nach Gerichts-Entscheid

„Keineswegs schuldig“

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Unter Volldampf steht der Schornstein der Uelzener Zuckerfabrik, hier aufgenommen vom Riesenrad, das bis 23. Dezember am Uelzener Hof auf dem Weihnachtsmarkt stand. Noch bis voraussichtlich 17. Januar dauert die Kampagne – nach dem trockenen Frühjahr gab es in den Folgemonaten ausreichend Regen für ein optimales Rüben-Jahr.

Uelzen/Braunschweig. „Wir haben diese Entscheidung sehr positiv aufgenommen, weil das Unternehmen jetzt aus den Schlagzeilen kommen kann.“ Hans-Christian Koehler aus Barum bei Bad Bevensen hält sich mit einer detaillierten Bewertung noch zurück.

Doch der Aufsichtsratsvorsitzende der Nordzucker AG sieht sich durch den Schriftsatz des Landgerichts Braunschweigs in seiner Auffassung bestätigt, „dass wir uns keineswegs der Untreue schuldig gemacht haben“.

Genau das wirft die Staatsanwaltschaft Braunschweig zwei ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern des Unternehmens in einer Anklage jedoch vor. Die Wirtschaftskammer des Landgerichts schmetterte die Forderung nach einem Prozess aber ab – jetzt muss das Oberlandesgericht Braunschweig über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft entscheiden, die die Aufsichtsräte weiterhin vor Gericht sehen will.

Allerdings räumt Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe ein, dass es sich beim Nachweis des Untreue-Vorwurfs um ein sehr komplexes Verfahren handele: „Das ist ein Sachverhalt, wie er nicht alle Tage vorkommt.“

Genau deshalb habe man die Problematik auch nicht überblickt, hatte Hans-Christian Koehler schon im August 2011 im AZ-Interview erklärt. „Hier wurde nicht vorsätzlich falsch abgerechnet“, betonte er damals, niemandem sei bewusst gewesen, dass die Abrechnungspraxis teilweise nicht satzungskonform war. „Wir waren uns keiner Schuld bewusst, deswegen hatten wir auch immer alle Zahlen detailliert freiwillig veröffentlicht.“ Deshalb sei es für alle Betroffenen auch selbstverständlich gewesen, zu viel gezahlte Beträge zurück zu zahlen, nachdem der Fehler bemerkt worden war.

Für die Staatsanwaltschaft aber geht es „nicht um eine moralische Bewertung, sondern um die strafrechtliche“, betont Behördensprecher Ziehe. „Und da meinen wir, dass unser Anklagevorwurf der Untreue zutreffend ist.“ Mit Spannung blicken deshalb alle Beteiligten jetzt zum Oberlandesgericht Braunschweig. Dort hat die Staatsanwaltschaft innerhalb der erforderlichen Frist von einer Woche sofortige Beschwerde eingelegt. Die Begründung will die Anklagebehörde in den nächsten Tagen nachreichen.

Und von der Entscheidung des OLG über die Anklageerhebung gegen zwei ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende dürfte auch der Ausgang der übrigen Verfahren gegen rund zwei Dutzend weitere Aufsichtsräte, darunter auch Hans-Christian Koehler, abhängen. „Diese OLG-Entscheidung hat da schon Signalwirkung“, erklärt Oberstaatsanwalt Ziehe.

Von Thomas Mitzlaff

Rekord-Produktion in der Kampagne 2012

bs Uelzen. Die Zuckerfabrik Uelzen erlebt derzeit eine außergewöhnlich erfolgreiche Kampagne. Bis zum voraussichtlichen Ende der Saison am 16. oder 17. Januar wird das Uelzener Werk der Nordzucker AG etwa 2,52 Millionen Tonnen Rüben verarbeiten. Im Durchschnitt sind es 19 000 Tonnen pro Tag, in Spitzenzeiten sogar bis zu 21 000 Tonnen. „So eine Menge haben wir in Uelzen noch nie erlebt. Von der durchschnittlichen Verarbeitungsleistung her ist das für uns die bislang beste Kampagne“, zieht Werksleiter Sven Buhrmann hoch zufrieden Bilanz. Zum Vergleich: Der langjährige Tagesschnitt lag bisher bei 16 800 Tonnen Rüben. Zudem wird es mit insgesamt 132 Tagen eine der längsten Kampagnen aller Zeiten für die Uelzener Zuckerfabrik sein. Die ersten Lieferungen trafen bereits am 8. September 2011 ein – so früh wie selten zuvor. Der Grund waren die ausgezeichneten Witterungsbedingungen, die die Erträge kräftig gesteigert haben. „Für die Rüben war es ein optimales Vegetationsjahr“, freut sich Georg Sander, Rübenmanager der Fabrik. Nach einem trockenen Frühjahr folgten Monate mit gleichmäßig verteilten Niederschlägen. Im Herbst war es dann wieder trocken und vor allem frostfrei. Daher haben die Rüben in dieser Saison eine sehr gute Qualität. Bezahlt gemacht haben sich nach den Worten von Sander auch die erhöhten Investitionen der Zuckerfabrik in die Instandhaltung ihrer Anlagen. Dadurch habe die tägliche Verarbeitungsmenge gesteigert werden können. Ein weiterer positiver Faktor: Anders als im Vorjahr wurden die Rübentransporte diesmal nicht durch Schnee und Eis behindert.

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