Der Kirchenkreis Uelzen feilt an seiner Attraktivität für Nachwuchskräfte

Uelzens Probst: Keiner will mehr Pastor sein

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Nach dem Weinmarkt haben Experten mit der Restaurierung der Nordfassade der St.-Marien-Kirche begonnen – der letzte Schritt eines Mammutprojekts, freut sich Propst Jörg Hagen.

Uelzen. Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Uelzen wappnet sich für einen drohenden Pastorenschwund.

Von derzeit 1800 Pfarrstellen im Bereich der Landeskirche Hannover könnten bereits in wenigen Jahren nur noch 1500 besetzt werden, zeichnet Propst Jörg Hagen ein düsteres Bild. „Wenn man realistisch ist, wird es so sein, dass auch wir hier mit Vakanzen rechnen müssen. “.

Der Grund: Weniger junge Menschen wollen in das kirchliche Amt einsteigen – und das ausgerechnet jetzt, wo man im Kirchenkreis auf eine Ruhestandswelle zusteuert. Frei werdende Stellen dann – wie bislang gängig – innerhalb eines Dreivierteljahres neu zu besetzen, werde dann mitunter nicht mehr möglich sein. Nicht auf dem Land.

Von insgesamt rund 30 Pastoren im Landkreis werden voraussichtlich vier bis fünf in den kommenden zwei Jahren in den Ruhestand gehen, weiß Hagen, dazu kämen regelmäßige Wechsel. Der Plan des Kirchenkreises: attraktiv bleiben. „Deswegen muss es unser Bestreben sein, die Pfarrhäuser gut in Schuss zu halten, damit die Pastoren sagen: Wir kommen gerne.“

Rund 400 000 Euro der insgesamt 9,7 Millionen, die im Haushaltsplan 2015 des Kirchenkreises vorgesehen sind, fließen in die Bauunterhaltung. Das Papier wurde am Mittwoch vom Kirchenkreistag abgesegnet. Nicht mit inbegriffen, sondern vor allem durch Sondermittel der Landeskirche abgedeckt, ist die Sanierung der St.-Marien-Kirche. Diese befinde sich nach rund vier Jahren nun in der finalen Endphase: Derzeit, berichtet Alminus Bleeker vom Kirchenvorstand der St.-Marien-Kirchengemeinde, wird an der Nordseite – wo kürzlich noch der Weinmarkt stattgefunden hat – die Fassade erneuert. Und mehr noch: Wer dieser Tage den Blick gen Himmel schweifen lässt, kann auf der mächtigen gotischen St.-Marien-Kirche Dachdecker erkennen, die derzeit die alten Pfannen durch neue ersetzen. „Das sind sicherlich 1,4 Millionen, die da verbaut wurden oder noch verbaut werden“, schätzt Bleeker. Er hofft, dass das Mammutprojekt im Herbst seinen Abschluss findet. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt dann aber nicht. Denn schon jetzt laufen die Planungen für den Innenausbau. Um die Maßnahmen stemmen zu können, hatte die Kirchengemeinde einen Antrag auf Förderung beim Bund gestellt – und einen Zuschuss von 185 000 Euro erhalten (AZ berichtete). Die Frischekur umfasst den Bau eines barrierefreien Zugangs am Hauptportal und einen frischen Anstrich. „Was weiß sein sollte, wird wieder weiß“, kündigt Bleeker an.

Doch bevor es losgehen kann, müssen weitere Fördermöglichkeiten gefunden werden, denn die Maßnahme werde die 185 000 Euro beinahe ums Doppelte übersteigen. Alminus Bleeker jedoch ist frohen Mutes: „Ohne Optimismus geht gar nichts.“

Von Anna Petersen

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